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| Schrill und fröhlich lassen sie 'Bo' vor die Hunde gehen | ||
| Anne Braathen, Rolf Pifnitzka und Stephan Kersting stellten in Hamburg ihre CD nach Texten von Ingvar Ambjørnsen vor | ||
| Oldenburgische Volkszeitung, 22.11.2001, von Cornelius Riewerts |
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Hamburg - Der Meister war begeistert und stolz auf seine Schülerin. Bill Ramsey, trotz oder wegen 'Zuckerpuppe - Bauchtanztruppe' ein genialer Jazzsänger, applaudierte am längsten, als die letzten wilden Klänge von A.R.S. im Hamburger 'GrundRiss' verhallt waren. Ramsey hatte die Free Jazz Sängerin Anne Braathen einst unterrichtet ('viel konnte ich ihr nicht mehr beibringen') und war natürlich herbei geeilt, um die Premiere von Annes erster CD zu feiern. |
![]() Lehrer und Meisterschülerin: Bill Ramsey und die norwegische Free Jazz-Sängerin Anne Braathen
Anne Braathens unglaublich modulationsreiche Stimme bewegte sich zwischen rhythmischen Wortstakkati, klaren konzertanten Passagen, die mal an Gregorianik, mal an westnorwegische Volksmusik erinnerten und hingejagten atonalen Passagen mit gleich bleibender Souveränität. Ihre deutschen Partner standen ihr nicht nach: Rolf Pifnitzka ist ein begnadeter Saxophonist und Flötist, der seinen Instrumenten und sich selbst das äußerste abverlangt, top-diszipliniert 'klassische' Jazzpassagen spielt und ekstatisch |
Instrumental- und Vokaltöne zu mischen vermag. Und selbst Bill Ramsey glaubte nicht, was er sah, als Pifnitzka auf zwei und schließlich gar auf drei Saxophonen gleichzeitig spielte. Das geht nicht? Bis Pifnitzka haben wir das auch so gesehen. |
...hier gehts weiter: Und der hatte sozusagen in der Schublade eine ganze Reihe unveröffentlichter Texte:Die Geschichten über einen eigenartigen Zeitgenossen namens Bo. Schräge und schrille Geschichten - für das A.R.S.- Trio eine Herausforderung, den Texten ein adäquates musikalisches Outfit zu geben: surreal, irre, fröhlich. So kann auch, wer der norwegischen Sprache nicht mächtig ist, miterleben, wie Ambjørnsen seinen |
Bo pünktlich zu einer Party gehen lässt, wo er dann der einzige Gast ist. Oder wie Bo zum Schluss 'vor die Hunde' geht, was A.R.S. mit umwerfender Komik schildert. Die CD enthält ein kleines deutsches Booklet, das vor allem beweist, wie kongenial Anne, Rolf und Stephan Ingvars Texte umgesetzt haben. |
Seglem, dessen Label NorCD für mutigen Sound bekannt ist, muss Dank dafür gelten, dass er 'A.R.S Ambjørnsen & Bo' diese Chance gegeben hat. |
| Bo kommt eh immer viel zu früh | ||
| DIE WELT. 22.11.2001 | ||
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Es gibt unter all den Bands und Solisten, Stars und Sternchen in unserer Stadt noch Blumen, die ganz im Verborgenen blühen. Das hamburgisch-norwegische Jazztrio A.R.S. gehört dazu. Seit magischen sieben Jahren spielen die Sängerin Anne Braathen, der Saxofonist Rolf Pifnitzka und Stephan Kersting am Kontrabass zusammen, weit gehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Nun war anlässlich des Erscheinens ihrer ersten amtlichen CD mal wieder ein Konzert fällig. Es fand im Ottenser GrundRiss statt. A.R.S. pflegen einen heiteren Jazz; er ist dem Offenen, Improvisierten zugewandt. Dazu wird geflötet, geprustet, gehaucht, gestreichelt und gejuchzt. |
Und alle Musik gründet sich bei ihnen auf einen Text. Fündig wurde das Trio zuletzt bei Ingvar Ambjørnsen, dem in Hamburg lebenden norwegischen Dichter. Der hatte eine Reihe sehr seltsamer Geschichten in der Schublade liegen, die ganz wunderbar zu den Tönen des Trios passen: Geschichten von Bo. Bo kommt pünktlich zur Party, also viel zu früh. Bo hasst den immergrünen Regenwald. Bo sieht sich selbst in der Ferne. Zur Begleitmusik von A.R.S. konnte man nicht unbedingt mit den Fingern schnippen. Dafür bekam man Songs geschenkt, die gegen all die neuesten und besten Hits von heute und gestern und übermorgen wie ein |
Antidepressivum wirken. Sie konfrontieren, sie fordern einen heraus. Und wenn Pifnitzka auf drei Saxofonen gleichzeitig spielt, wenn sich Kersting über seinen Bass krümmt, wenn Braathen mal kurz ein paar norwegische Weisen trällert, dann ist das auch sehr komisch. Die drei Jazzer machen sich gern über ihr eigenes Metier lustig. Wer an diesem Abend nicht zur zahlreich erschienenen norwegischen Gemeinde gehörte, musste nicht verzweifeln. Nach dem Dichter Ambjørnsen trug Rolf Pifnitzka einen der Bo-Texte in deutscher übersetzung vor. Er ist übrigens auch ein begnadeter Vorleser. FK |
| Tor Hammerø | ||
| im norwegischen Online-Magazin PULS | ||
| 22.11.2001 | ||
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Es sind offensichtlich nicht nur die Wege des Herrn die unergründlich sind. Unter vielen Szenarien die ich mir kaum hätte vorstellen können, gibt es die von zwei deutschen Freejazzmusikern, die in enger Zusammenarbeit mit einer Sängerin/Rezitatorin, Texte von Ingvar Ambjørnsen als Ausgangspunkt bearbeiten. Und, als wäre dies nicht genug, taucht auch Ambjørnsen selbst auf, als Interpret seiner eigenen Texte - von Bo, muss man wissen. |
Das Fundament für diese Ausflüge, ist wieder ein Beispiel von Ingvar Ambjørnsens verwunderlicher, persönlicher, surrealistischer und witziger Prosa. Bo ist in vieler Hinsicht ein jüngerer Vetter von unser aller Elling. Er ist ein Kerl, der die alltäglichsten Dinge erlebt, die wir "alle" erleben. Ein Kerl den Ambjørnsen durch seine ganz spezielle Schreibe hervorhebt als eine ganz spezielle Person, die uns alle repräsentiert. |
Art und Weise. Egal was oder wie sie es macht, die Erzählungen von Bo ertrinken nie. Es ist mit anderen Worten nicht Anne Braathen die hier am wichtigsten ist, sondern die Botschaft der Story, und so soll es auch sein. Ausserdem ist es sehr schön Ingvar Ambjørnsen zu hören, wie er einige seiner Texte liest. Zweifellos kennt er Bo und seine Umgebungen besonders gut. |
| Frithjof Strauss | ||
| Jazzpodium Januar 2002 | ||
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A.R.S. - Ambjørnsen & Bo. NORCD 0141. Die norwegische Sängerin Anne Braathen vertont bisher unveröffentlichte Prosa ihres Landsmanns Ingvar Ambjørnsen zusammen mit dem Hamburger Free-Jazz-Trio A.R.S., dem neben ihr der Saxophonist Rolf Pifnitzka und der Bassist Stephan Kersting angehören. Anlass für dieses Projekt war ein Auftritt der Band in der "Sounds & Poetry"-Reihe des Greifswalder Festivals "Nordischer Klang", wo alljährlich nordeuropäische Autoren ihre Texte in musikalischer Performance zum Klingen bringen. Der Schriftsteller Ambjørnsen hat mit seinen Jugendbüchern und Underground-Krimis sowie seinen Romanen über den sozialparanoid abgedrehten Knilch namens Elling auch im deutschsprachigen Raum eine große Leserschaft erreicht. Für A.R.S. wählte er kürzere, motivisch abgeschlossene, surrealistische | Prosatexte in norwegischer Original-sprache. Im Booklet sind sie in Gabriele Haefs deutscher Ubersetzung wiedergegeben. Diese Sequenzen, die sich alle um eine Figur mit dem Männernamen Bo drehen, schlagen zwar einen epischen Ton an, tun so, als würden sie Handlungen und Veränderungen in der dargestellten Welt aus einem allwissenden Duktus heraus schildern, aber geraten doch nie zu eigentlichen Geschichten, die man weitererzählen könnte. In der Performance passt dazu gut das Free-Jazz-Genre, denn die Musiker spielen unter einem ähnlichen Reglement: der Klangprozess folgt der gewollten Gestik des Konzertierens, aber vermeidet strikt die identifizier bare tonale Melodie und das feste Metrum. Anne Braathens Textbehandlung zwischen Rezitation, worttragendem und wortlosem Gesang und Scat berücksichtigt denn | auch die semantische Betonung nur punktuell bei ein zelnen Sätzen. Die Klangintensivierung des Wortmaterials orientiert sich in erster Linie an der innermusikalische Kommunikation, wobei die Sprachmelodie des Norwegischen mit den charakteristischen Hebungen am Ende der Satzperiode nicht selten mit singt. Daher ist es konsequenterweise auch nicht so relevant, welche Bedeutung die Wörter haben; es ist gar nicht notwendig, Norwegisch zu können, um Freude an der Einspielung zu haben: an dem wendig aufeinander reagierenden Trio, an den ohne Berührungsängste in den Clinch preschenden Stimmen, an dem satten Drive des Spiels. Ingvar Ambjørnsen darf sich aber trotzdem gerne freuen, dass diese frische disharmonische Musik so gut mit seinen Texten harmoniert. |