improvised Music
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Die Qualität

Ihre Konzerte scheinen immer zu kurz zu sein. Die Musik des Trios A.R.S. zieht das Publikum in seinen Bann, ob in Jazzkellern oder auf Festivals. Dabei kommen A.R.S. weder mit einer Standard-Besetzung auf die Bühne, noch versuchen Sie sich musikalisch bei ihren HörerInnen "einzuschmeicheln". Mit Stimme, Saxophonen und Kontrabaß spielen A.R.S. improvisierte Musik, oft expressiv, manchmal auch mit erkennbaren melodischen Gestalten, immer aber aufmerksam und gemeinsam ihre Konzerte auf der Bühne entwickelnd.

Anne Braathen Rolf Pifnitzka Stephan Kersting
Der Gründungsmythos

Diese Qualitäten haben A.R.S. sogar erst zusammengeführt. Anne Braathen hörte auf einem Konzert das Trio Tisch 5, die andere Formation von Rolf Pifnitzka und Stephan Kersting. Die spielte Free Jazz im weitesten Sinne, dem späten John Coltrane verpflichtet, agierte sehr laut und sehr frei. Nach 10 Minuten musste Anne Braathen raus, es war Ihr einfach zu heftig.
Doch etwas muss sie fasziniert haben, denn in der Pause kam man ins Gespräch, verabredete sich. Anne Braathen suchte Musiker zum Improvisieren. Vorher hatte sie in klassischen Downtown-Bigbands gesungen, hatte deren streng durcharrangierte Stücke, wo jede Note unverrückbar sitzt, über. Und wollte auch mal etwas anderes sein, als die Frontfrau, die Diva am Bühnenrand, voll ausgeleuchtet, auf die sich alle beziehen. Sie suchte gleichberechtigte Spieler. Aus der Sängerin sollte eine Vokalistin werden.
Texte, Stimme und Instrumente Seitenanfang

Anfangs improvisierten sie zu Gedichten von Robert Bly und dem Beatnik-Veteran Robert Creely. Später kamen das ein oder andere Poem des norwegischen Lyrikers und Autors Jan Erik Vold dazu. Kein Wunder: Anne Braathen ist Norwegerin, Bassist Stephan Kersting hat einige Jahre in Norwegen gelebt. Für Rolf Pifnitzka eröffnete die fremde Sprache neue Dimensionen in der Kombination von Musik und Text. Anstatt auf die Bedeutung der Worte reagieren zu müssen, entsteht eine Interaktion zwischen den Klängen von Saxophon, Stimme und Bass.

Und genau darin liegt die einzigartige Qualität von A.R.S. : Ohne in Manierismen abzurutschen setzt Anne Braathen die Stimme als Instrument ein. Als Trio erzählen A.R.S. gemeinsam spannende Geschichten ohne Worte, brechen der Poesie neuer, freier Klänge Bahn.

Ambjørnsen und Bo

Die Einladung zum Nordischen Klangfestival der Universität Greifswald im Mai 2000 brachte eine weitere Dimension zum Klangspektrum des Trios dazu. Für den Festival-Auftritt wurden norwegische Texte verlangt. Auf der Suche nach einem leichten, urban-poetischen Stoff kam Anne Braathen mit Ingvar Ambjørnsen ins Gespräch, der seit den Achtzigern in Hamburg lebt. Seine vier Romane um den etwas sonderlichen "Elling" gehören in Norwegen zu den Bestsellern.
Mehr im Scherz bot Ambjørnsen seine surrealistische Kurzprosa aus späten Nachtstunden als Ausgangsmaterial an. Die Texte handeln von einer trivialen Welt ohne rechte Kausalität, mit ständig verfließenden Konturen. Mittendrin die Hauptfigur namens Bo, die man wegen ihrer permanenten Willkürschlüsse kaum als konkrete Person erfahren kann.
Die Episoden, die feine Beobachtung und psychedelische Fehlwahrnehmungen in ihrer lakonischen Unaufgeregtheit vereinen, sind offen für mehrdimensionale Lesarten. Sie fordern Improvisationen geradezu heraus, als befreites Spiel der Klänge und, wenn man die übersetzung wahrnimmt, auch der Gedanken und Bedeutungen.
Bei den ersten Proben stellte sich heraus, daß Bo's Welt sich hervorragend mit dem musikalischen Kosmos von A.R.S. verbindet. Der Auftritt in Greifswald war jedenfalls eine deutliche Bestätigung dass diese Kombination funktioniert. Ingvar Ambjørnsen selbst ist begeistert. "Es hört sich an, als ob Anne meine Worte nimmt und ihre Stimme wie ein Instrument benutzt, um den beiden anderen Musikern zu antworten. Witzig und fantastisch." Seit November 2001 sind diese "Geschichten von Bo" auf einer CD hörbar und dabei im Booklet ganz entspannt nachzulesen.















Ingvar Ambjørnsen

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