27. November 2002
Eine alte Dame
von 96 Jahren war heute im Bus, zur Feierabendzeit, und sie kam ins Gespräch mit anderen Passagieren.
Sie war stolz auf ihr Alter, meinte, daß ihr Geist noch sehr gut funktioniere und schätzte vieles richtig ein.
Ich rechnete aus, daß sie doppelt alt wie ich sei minus 4 Jahre und wollte sie eigentlich in den Arm nehmen.
27.11.2002, 22:33 Kategorie: mitgehoert
Das Schicksal eines LKW-Fahrers
auf 3sat eine Reportage über die Suche nach einem in Zentralasien verschollenen Schweizer LKW-Fahrer.
Als die Stelle gefunden wird in Kazakhstan, wo er ermordet wurde, findet dort eine orthodoxe Trauerzeremonie statt.
Ich empfinde es als tröstlich, daß sich Menschen an einer Stelle im Schneewald versammeln, um seiner zu gedenken und sich seiner Seele anzunehmen, obwohl sie ihn nicht gekannt haben.
27.11.2002, 21:03 Kategorie: Alltag
ja, und das kommt davon
die ganze Nacht Schmerzen im Auge, morgens von der Arbeit aus die Augenklinik-Ambulanz angerufen.
Ich solle sofort kommen, das Auge sei ja verletzt.
Als ich in die Ambulanz komme, heißt es, ich müsse zulange warten (in der Ambulanz!!!), ich solle besser in die Stadt zu einem Augenarzt gehen.
Auch in dieser Arztpraxis warte ich zwei Stunden, dann das positive Untersuchungsergebnis: nichts verletzt, nur schwer gereizt.
Jetzt soll ich einen Monat lang Augentropfen nehmen, 3x täglich.
3x täglich möchte ich die Jungs, die mir das angetan haben, an den Ohren ziehen.
27.11.2002, 20:54 Kategorie: Alltag
26. November 2002
so böse
zwei wohl 11jährige Jungen in der Straßenbahn.
Sie haben einen Laserpointer und zielen damit auf Menschen.
Ich verweise sie und fordere sie auf, das zu unterlassen.
Auf meinen Einwand, sie verletzten damit Menschen, kommt die Antwort:
ist doch egal, sind doch nicht wir
als sie ausgestiegen sind, blenden sie mir ins Gesicht. Seitdem schmerzt das Auge.
wie kann es sein, daß Kinder so skrupellos und böse sind?
26.11.2002, 22:14 Kategorie: Alltag
ich wusste nicht, daß Thomas Bernhard auch Gedichte geschrieben hat
und dann dieser Band:
Thomas Bernhard, Gesammelte Gedichte
war mir früher seine Unerbittlichkeit oft befremdlich, so ist sie mir heute bitter nötig.
Und das Gedicht über den Tod steht wie ein großer Stein, wie eine Klage aus alter Zeit, die zu uns herüberklingt.
[mehr ...]
26.11.2002, 22:08 Kategorie: gelesen
25. November 2002
Vor kurzem las ich
von einem amerikanischen College, dessen neue Bibliothek überhaupt keine Bücher enthält, nur Telephonanschlüsse, mit deren Hilfe irgendein Computer angezapft werden kann. Die Funktion der Bibliothekare einer solchen Anstalt müsste sich demnach darauf beschränken, den lerneifrigen Studenten beizubringen, wie man "library" buchstabiert, und ihnen vielleicht auch hie und da mit einem Schraubenzieher auszuhelfen.
Da dachte ich mir: da sieht man, wohin das schöne, das edle Ideal der Einheit von Forschung und Lehre uns gebracht hat. Forschung ist also, was in den Computer hineingeht, und Lehre, was man aus ihm herausnimmt. "Nostradamus' eigene Hand" hat längst das Schreiben verlernt, und auch Faust diktiert nur mehr auf Tonband, wenn auch der heiße Draht zu Mephistopheles sicherlich nicht unterbrochen ist.
Erwin Chargaff
Warnungstafeln,
Die Vergangenheit spricht zur Gegenwart
Stuttgart 1982
25.11.2002, 22:31 Kategorie: gelesen
Die Bahn
hat mal wieder Meisterleistungen vollbracht:
der Zug ab Altona nach Freiburg fährt plötzlich ab Hauptbahnhof, hat man das nicht gewusst, als die Karten gekauft wurden?
die Bahn-Angestellten meinen, es gäbe keinen Pendelverkehr, wir könnten die S-Bahn nehmen, der Zug würde warten
am Hauptbahnhof stellt sich heraus, daß der Zug erst nach 45 Minuten fahren wird, alle stehen sich die Beine in den Bauch und bekommen kalte Füsse
dann fährt der Zug ein, aber in Gegenrichtung. Der Perron ist schwarz vor Leuten, die plötzlich hektisch vom Zuganfang zum Zugende und vom Zugende zum Zuganfang eilen, wohl gemerkt bei 5 Leuten pro Perronbreite
dann gibt es einen Gutschein vom Schaffner, aber der Schaffner wirkt leicht abwesend
im Flur feiern junge Männner laut dröhnend HipHop-Party daß es nur so rauscht
in Offenburg nochmal 20 Minuten warten, um einen weiteren Zug "aufzunehmen"
so addieren sich 60 Minuten zusammen, weil in Altona Gleisbauarbeiten sind
das kann es doch nicht sein????
25.11.2002, 00:10 Kategorie: Alltag
24. November 2002
Sie können es einfach nicht zulassen
daß eine Literaturverfilmung in der ARD gezeigt wird:
Erst finden Sie ewig keinen Sendeplatz und senden dann Samstag nacht um 24:00
dann blenden Sie vor Beginn eine Warnung ein, der Film "Die Auferstehung" nach L. Tolstoi sei nicht jugendfrei, während auf anderen Kanälen geboxt wird und / oder sich Weiber lustvoll wälzen
und dann müssen sie auch noch alle 10 Minuten die Ankündigung "Scorpio, der Killer um 2:45" einblenden
woher kommt diese Wut auf alles, was nicht primitiv ist?
24.11.2002, 02:14 Kategorie: Versuch und Irrtum
23. November 2002
Laptop vorbereiten..
immer vor einer mehrtägigen "Dienstreise" überkommt mich das Bedürfnis, meinen Laptop zu aktualisieren, noch irgendwelche Daten mitzunehmen, Tutorien einzuspielen etc., weil es könnte ja freie Zeit geben abends im Hotelzimmer
und die Zeit gibt es dann doch nicht, weil ich unterwegs doch lieber lese als am Rechner zu sitzen...
aber der Notebook ist dann immer recht aktuell, hat ja auch was
23.11.2002, 17:20 Kategorie: Alltag
21. November 2002
weitere Literaten
nennt man einige Literaten, kommen zwangsläufig andere zu kurz. Wie sonst besteht mein Büchervorrat aus Tausenden von Büchern, von denen ich höchsten 3 oder 4 wegwerfen möchte?
Das Wegwerfen von Büchern fällt mir sehr schwer, eher schon stelle ich nachts einen Karton vor ein Antiquariat...
ich habe auch schon mit
bookcrossing.com geliebäugelt, aber das einzige Buch, von dem ich mich trennen wollte, war so ärglich und bescheuert, daß ich es nicht übers Herz brachte, es einer literarischen Schnitzeljagd auszusetzen (Luise Endlich, Neuland) also habe ich es kaltblütig im Altpapier versenkt. Habe ich vorher nur mit einem Buch von Cioran so getan.
Aber das ist hier schon beschrieben und ein anderes Kapitel, auf jeden Fall eine ganz andere Klasse für sich..
21.11.2002, 23:53 Kategorie: gelesen
Literarische "Mitmenschen"
wenn ich mir so aufzähle, welche Dichter, Autoren, Schriftsteller mir wichtig sind, dann denke ich an Henri Miller, Lawrence Durrell, Marek Hlasko, Bruno Schulz, Heinrich Mann, Simone de Beauvoir, Anna Achmatowa (um einige meiner ältesten Freunde zu nennen) wie an Menschen, mit denen ich gelebt habe.
Viele begleiten mich schon mein ganzes (Lese-)Leben, einige verschwinden, tauchen wieder auf wie Bruno Schulz, neue kommen hinzu wie Felix Philipp Ingold, Erika Burkart
ich lebe mit ihnen wie mit den Menschen aus meinem Lebenskreis
21.11.2002, 14:27 Kategorie: gelesen
20. November 2002
nackt im Studio
das ist doch wirklich eine Geschichte, das plappern sie jetzt alle nach, nur weil so ein Niemand, der irgendwelche Popmucke von sich gibt, zu Promotionzwecken bedeutungsschwanger labert, er habe das letzte Album
nackt im Studio aufgenommen, weil da sei man so verletzlich,
jede Zeitung, jede Nachrichtensendung, alle käuen sie diesen Schrott wieder
klar ist man nackt verletzlich, da hält keine Bibel in der Hemdtasche die Kugel auf
20.11.2002, 07:33 Kategorie: UndSonst
19. November 2002
Bruno Schulz

Die
Edition Nautilus hat einen Sonderband zu
Bruno Schulz herausgebracht. Die Geschichte seines Lebens und die Geschichte des Vergessenwerdens und Wiedergefundenwerdens...
Vor 60 Jahren wurde er ermordet von einem SS-Mann in Drogobycz, vor kurzem wurden Wandmalereien, die er als Sklave eines SS-Mannes ausführen musste, wiederentdeckt. Kurz darauf wurden diese Fresken entfernt und nach Yad Vashem verbracht.
Bruno Schulz wurde damit durch die jüdischen Kunstwissenschaftler und Restauratoren die polnische Nationalität posthum aberkannt, er wurde vereinnahmt als Jude. Er war aber ein polnischer Jude und gerade erst begann die Wahrnehmung der vernachlässigten Geschichte im heutigen ukrainischen Drogobycz vor den Karpaten.
Mich treibt das Werk und das Andenken an Bruno Schulz um, seitdem ich als junges Mädchen das knappe Werk Schulz' gelesen habe und vor 2 Jahren war ich in seinem Heimatort.
Ich habe ein Gruppenphoto eines Gymnasiums-Lehrkörpers aus den dreißiger Jahren aus Drogobycz in Lviv antiquarisch erstanden, versuche immer wieder herauszufinden, ob Schulz, er war Zeichenlehrer, auf diesem Bild vielleicht auch anwesend ist.
Späte Wahrnehmung und öffentliche Anerkennung. Schulz hat ein originäres Werk geschaffen, sein Leben hat leider bizarre, tragische Wendungen genommen.
19.11.2002, 23:18 Kategorie: gelesen
soll ich kotzen oder das Messer zücken?
Ich empfinde Werbung als zunehmend zynischer, kaltherziger und brutaler, andere meinen, es sei halt einfach so wie es ist..
aber das hier macht mich fertig:
aufgetakelte Fratzen wackeln über den Bildschirm, dazu werden die Worte "Geiz" / "Habgier" / "Neid" eingeblendet und alles endet dann in:
"weil ich es mir wert bin"
also: ich bin ein Arsch und das ist richtig.
Weiter: "Der Countdown läuft ! Am 1. Januar 2003 ist es soweit: Aus Kéralogie wird Kérastase"
da wird sich die Welt aber verändern..
und zu guter Letzt:
"Die Kraft des Zen für feines Haar: Die neue Garnier Ultra Beauty- Volumenserie "
ich entscheide mich für das Kotzen, ich kotze auf www.loreal.de
19.11.2002, 20:42 Kategorie: Werbung
18. November 2002
unverzichtbar
wird mir die Literatur von Erika Burkart werden, das ist mir jetzt schon klar.
Nachdem ich schon etliche Rezensionen gelesen hatte und mir immer vornahm, ihre Bücher zu versuchen, habe ich nun
Grundwasserstrom angelesen und ich bin angetan.
Es ist gut, daß ich ihre Aufzeichnungen zuerst lese, da bekomme ich eine Vorstellung der Autorin, an deren Lyrik ich mich herantasten möchte.
Erika Burkart:
Grundwasserstrom
18.11.2002, 20:42 Kategorie: gelesen
16. November 2002
Als Aufforderung zur Körperverletzung..
empfinde ich diese Werbung von
rms.de
und hochgradig zynisch ist es auch...
die haben auf ihrer Seite sogar noch eine Argumentationsliste "11 Vorurteile gegen Radiowerbung"... die Meinung der Opfer wird dabei aber nicht berücksichtigt
ein Fall für den Pranger auf
www.einschaltverweigerung.de...
wird demnächst dort eingehender analysiert.
16.11.2002, 17:17 Kategorie: Werbung
14. November 2002
ja, so siehts aus
der Müll, die Bushaltestelle und sonst noch was?
ja eben
14.11.2002, 07:40 Kategorie: Werbung
12. November 2002
Steuersenkung für CDs?
Weiss' französischer Kollege Aillagon führte soziale und wirtschaftliche Gründe für die geforderte Mehrwertsteuer-Senkung an. Junge Leute seien die größte Gruppe der Plattenkäufer, hätten aber meist weniger Geld als Buchkunden. Es wäre ungerecht, ihre Käufe höher zu besteuern und sie damit zum Raubkopieren zu treiben. Zudem könne eine Steuersenkung den Preis pro Album unter die psychologisch wichtige Marke von 15 Euro senken, argumentierte Aillagon.
also ich bin mir da nicht so sicher...
weil die Kids nicht lesen und die Schrott-CDs kaufen, sind sie benachteiligt?
Ich denke doch eher die Plattenindustrie ist verantwortlich für die Preise, soll jetzt der Staat auf Steuern verzichten, damit die Plattenindustrie ihre Preise nicht senken muss?
und selbst wenn die CDs nur 10 Euro kosten, kopieren die Kids doch raub, oder nicht?
also liebe Multis: Preise senken für Euren Massenmüll und den Steuersatz beibehalten, dann wird es für alle profitabel!
12.11.2002, 14:06 Kategorie: Alltag
Guten Tag, ich rufe an von xxx xx, mein Name ist yyy
tja, und dann muss man (ich) diesen aufdringlichen Anrufern aus der Nase ziehen, was sie eigentlich wollen, auf die Frage, ob sie aus einem Callcenter anrufen und was sie eigentlich wollen, reagieren sie nicht und nur langsam wird aus der angebotenen Kooperation dann plötzlich, daß sie einem Objektschutz andrehen wollen...
ich arbeite zwar auch objektorientiert, aber darunter verstehe ich dann doch was anderes
12.11.2002, 13:28 Kategorie: Alltag
11. November 2002
Le Jazz Franco-Allemand
nun war ich 3 Tage Gast des Festivals "Jazz d'Or" in Strassburg und bin überrascht und beschämt, welchen hohen Stellenwert der Jazz in Frankreich im Vergleich zu Deutschland hat.
Allein durch die föderale Kultur-Struktur sind wir Deutschen arg im Hintertreffen, aber auch der politische Wille fehlt bei uns, die Einsicht, daß Kultur lebensnotwendig ist.
Ein grosser Dank an
Philipp Ochem und das Team von Jazz d'Or!
11.11.2002, 12:28 Kategorie: Alltag
06. November 2002
stehengebliebene Zeit
06.11.2002, 19:26 Kategorie: Alltag
düster, düster
nun war ich zwei Tage in einer düsteren Stadt, in einem in der Zeit stehengebliebenen Hotel, in einer düsteren Gegend,
und nur das Treffen mit meiner guten Freundin Petra hat dagegenwirken können...
06.11.2002, 19:22 Kategorie: Alltag
02. November 2002
eigenartig, ich soll verkaufen, was ich gekauft habe...
da kaufe ich Bücher ein bei amazon, weil ich die haben will und dann fordern die mich auf, zu verkaufen, was ich bei ihnen gekauft habe.
Ja, trauen die ihren Waren nicht?
wenn ich dann weiter klicke, listen die mir auf, was ich so an Umsatz bei denen schon gemacht habe, mit der Überschrift "Einfach so verkaufen..."
und der großartige
Foto-Band "Selbst" von Martin Pudenz soll noch 9,10 Euro wert sein???
nein, ich will die Bücher behalten!!! Darum kaufe ich sie ja!!!
02.11.2002, 16:29 Kategorie: gelesen