Lesebuch:: Literarisches auf Avantart ::

"Es ist ein Zeichen geistiger Freiheit, einen Bestseller nicht gelesen zu haben."

Paul Hindemith, 1895-1963


14. Mai 2008 :: Felix Philipp Ingold
lyriktext.de ist eine Plattform für Texte und Lyrik des schweizer Poeten, Slawisten und Kulturwissenschaftlers Felix Philipp Ingold. Hier veröffentliche ich Texte, die mir FPI zur Veröffentlichung gibt. Die Seite soll einen Überblick über seine Arbeiten geben, aber natürlich nur einen kleinen Einblick. Sein ganzes Schaffen zu dokumentieren, wer schaffte das?
14. Mai 2008 Kategorie: Felix Philipp Ingold URL


07. Mai 2008 :: nochmal: Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens
Auf Schleichwegenvielleicht bin ich zu kleinkariert und habe die Ironie nicht verstanden, mit der Dieter E. Zimmer sein touristisches Photo auf die innere Umschlagseite plaziert hat...
wie dem auch sei, ich freue mich immer noch über dieses ganz besondere Buch!


Eines kann ich hinzufügen: der Autor beklagt im Buch, daß sowenig der zitierten Original-Literatur ins Deutsche übersetzt wurde und nun finde ich bei jokers.de dieses Angebot:


Nikolai M. Prschewalski
Auf Schleichwegen nach Tibet
1870 - 1873. Nikolai M. Prschewalski zählt zu den bedeutendsten Asienforschern der Neuzeit. Der russische General war auf zahlreichen Expeditionen unterwegs. Viele seiner Reiseberichte und geografischen Fachbücher wurden Standardwerke. Die hier beschriebene Reise führte den Entdecker in die Mongolei. Von dort aus versuchte er, die »verbotene Stadt« Lhasa in Tibet zu erreichen - wie Jahre später sein Bewunderer Sven Hedin...
317 S., einige s/w-Abbildungen, 14 x 21 cm, Leinen, SU, mit Lesebändchen.
Verlag: Edition Erdmann

07. Mai 2008 Kategorie: Russisches URL


29. April 2008 :: Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens
und ich reise mit...

Nabokov reistDies ist ein ganz besonders Buch und wieder einmal zeigt sich, daß das Modernes Antiquariat eine Schande für die deutschen Buchkäufer ist. Wie kann es angehen, dass ein solches Buch verramscht wird?

Ich kenne zwar die Nabokovsche Familie nicht so genau, ich weiß, daß sein Vater Mitglied einer Übergangsregierung Russlands nach der Absetzung des Zaren war, und daß er im Exil in Berlin ermordet wurde.

Nun schrieb Vladimir Nabokov den Roman "Die Gabe" und "Die Schmetterlingsschriften des Konstatin Godunov-Tscherdnyzew" und beschreibt in einem Kapitel eine geträumte Reise, bei der der Sohn seinen geliebten Vater auf einer Expedition in das Innere Asiens begleitet.

Woher hatte Nabokov, der nie in Tibet, Zentralasien, Westchina war, dieses Wissen? Woher kannte er all diese Details?

Er konnte in den Berliner Bibliotheken die Reiseberichte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts studieren und inzwischen sind auch alle Quellen, die er genutzt hat, bekannt.

Dieter E. Zimmer hat in einem wunderschönen Buch Ausschnitte aus den Reiseberichten der damaligen Zeit neben Nabokovs Text gestellt und es ist eine Freude, diesen Reisenden nachzuspüren.

Am besten gefielen mir die zwei amerikanischen Radfahrer...

Nun ist diese Anthologie noch von einer anderen Warte aus interessant: Die meist russischen Reisenden offenbaren hier ein imperialistisches Selbstverständnis, das derart ungetrübt uns heute doch recht bitter aufstößt.

Auch der Stolz, mit dem die Zahl der erlegten Bären pro Tag genannt wird, können wir heute nicht mehr nachvollziehen.

Ein bißchen unangebracht finde ich das Photo auf der dritten Umschlagseite, das den Herausgeber auf einem Kamel zeigt, wahrscheinlich an den Pyramiden oder in Tunesien, die Registriernummer des Kamels halb verdeckt... Ein Pauschaltourist gibt eine Anthologie äußerst individueller Forschungsreisender heraus... ;=(

Für mich ist dieses Buch deshalb auch interessant, weil ich zum Einen immer schon Reiseberichte gerne gelesen habe, zum Anderen weil ich selbst nach Zentralasien reisen werde, nach Kyrgisistan. Das im August.

Bis dahin möchte ich noch mehr solche interessanten Bücher lesen.

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29. April 2008 Kategorie: Russisches URL


19. April 2008 :: Volltext
ich glaube, ich habe die Literaturzeitung Volltext noch nicht vorgestellt. Aber ich kann sie nur aus vollstem Herzen empfehlen.

Schon das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe 02/08 zeigt die interessanten Themen, zeigt auf, wie jenseits des Mainstreams Autoren vorgestellt, gewichtet, gewürdigt werden.Dima Prigow

So findet sich ein langes Interview mit Dima Prigow, das wenige Wochen vor seinem überraschenden , unerwarteten Tod geführt wurde, ebenso wie ausführliche Essays.

So schreibt Ernst-Wilhelm Händler "Der Zwang zum Bewusstsein. Zur deutschsprachigen Prosa der Gegenwart"

Daraus ein kleiner Ausschnitt, ansonsten: kaufen Sie Volltext, abonnieren Sie Volltext!
Die gute Nachricht der Simulation von Literatur ist: Der Autor spricht im Roman nicht ständig von sich selbst. Das wäre kontraproduktiv, die Leserin würde kaum bereit sein, sich in den Autor hineinzuversetzen. Die schlechte Nachricht: Die Autoren sprechen außerhalb ihrer Bücher von nichts anderen als von sich selbst. Dabei korreliert das Unsäglichkeitsmaß der Selbstinszenierungen hochsignifikant mit dem Alter der Regieführenden.

19. April 2008 Kategorie: anzuraten URL


01. April 2008 :: Nocheinmal Schlink
Schlink: LiebesfluchtenBeim Vorleser fesselte die präzise, hermetische Konstruktion der Geschichte, bei anderen Texten Schlinks wirkt es gezwungen:

Ob es der Witwer ist, der sich dem Liebhaber seiner verstorbenen Ehefrau als Geliebte schriftlich ausgibt, die Ost- und West-Berliner Freundschaft, die unter IM-Verdacht fast zerbricht und dann doch weitermacht, ich fühle mich beim Lesen vorgeführt.

Starkes Kalkül macht den Plot nicht besser.

Nun verstehe ich auch das Zögern meiner Buchhändlerin, als sie meinte, ich bräuchte nur den Vorleser lesen, die anderen Bücher...

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01. April 2008 Kategorie: Leseerfahrungen URL


27. März 2008 :: ein ganz besonderes Buch
Bernhard Schlink, der Vorleser ist Der Vorleser von Bernhard Schlink.

In einer präzisen, klaren, unprätentiösen Sprache erzählt Schlink die Geschichte, die im Alltäglichen das Unfaßbare der deutschen Geschichte, das Abgründige und das Persönliche so verknüpft, daß uns Lesern wohl jede leichtfertige Urteilerei nicht mehr möglich sein wird.


Wenn man sich auf die Lektüre einlässt.

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27. März 2008 Kategorie: anzuraten URL


21. März 2008 :: Kitschprobe
Sommer in Venedig
Meinem Urteilsvermögen vertraue ich und ich gebe meine Meinung auch des öfteren ungebrochen und vehement kund, aber ab und an zweifel ich doch.

In solchen Fällen hilft mir die Kitschprobe: ich erzähle einer anderen Person das Buch in einem Fluß, geradeheraus und frei Schnauze ... und gebe in einem letzten Satz dann meine Einschätzung ab.
Am Tonfall, am Redefluß merke ich dann selbst, ob mir das Buch gefallen hat, ob ich mich geärgert habe, ob es Kitsch ist, ob es verträglicher Kitsch oder zukleisternder Kitsch ist..

Bei dem Sommer in Venedig habe ich gezweifelt. Solche Bücher liegen mir am Herzen: Jungs zu Beginn des Weltkrieges erzählen ihre Kindheit, das Ende ihrer Kindheit. Mit dieser Thematik habe ich schon meine Staatsexamensarbeit bestritten...

Und dieser Junge träumt von Venedig, die Flüchtlinge, die am Obstgarten vorbeiziehen, wo er bei seiner Tante den letzten Kindheitssommer verbringt, träumen allerdings nicht mehr.
Und der sterbende Soldat, in dessen brechenden Augen sich die Abendsonne spiegelt, hat endgültig ausgeträumt.

Ich kann mich dem Urteil der Leser, so wie sie z.B. auf Amazon das Buch loben, nicht anschließen. Und ich finde es auch ausgesprochen degoutant, wenn neben dem vortrefflichen Inhalt die feine Ausstattung des Buches (Umschlag, Innenrückenseiten, Lesebändchen) gerühmt wird.

Nicht bei einem solchen Thema.

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21. März 2008 Kategorie: Urteilsvermoegen URL


09. März 2008 :: Buchbestattung.de
Aus einer Eingebung wurde ein Domain-Name: www.buchbestattung.de

Dort werde ich (vielleicht mit weiteren Co-Autoren) einfach schlechte Bücher, Bücher die ärgern oder Zeit fressen, vorstellen. Ist also ein Pendant zur Rubrik "Abzuraten" hier im Lesebuch.
Buchbestattung.de
Mal sehen, was draus wird. Soll jedenfalls nicht zu ernst gemeint sein.

09. März 2008 Kategorie: abzuraten URL


02. März 2008 :: Fado. Auf polnisch. Von Andrzej Stasiuk
Fado Was der Verlag als Reiseskizzen bezeichnet, ist viel viel mehr.

Stasiuk ist ein obsessiver Reisender. Und sein Reisegebiet ist immer wieder Osteuropa. Die von ihm bereisten Regionen sind für ihn Barometer des gesellschaftlichen, kulturellen, politischen Wandels.
Stasiuk liest das Barometer sehr genau ab.

Und sehr scharfsichtig beschreibt er.

Wer fährt schon in den Kosovo? Wer außer seinen Bewohnern, internationalen Beamten und Soldaten aus allen Ecken der Welt? Wer braucht den Kosovo? Oder Mazedonien? Kleine, vergessene Länder, die für die einen Probleme darstellen, für die anderen Beute. Wenn die Welt für einen Moment ihren Blick abwendet, hören sie einfach auf zu existieren, denn heutzutage existiert nur das, was von anderen wahrgenommen wird. Die Existenz als solche hat schon lange ihren Sinn verloren.

Gerade in den kleinen Orten spürt er der Zeit nach, den Brüchen und den Verschiebungen.
Dieses Buch ist eine Pflichtlektüre für diejenigen, die doch ein wenig über den Tellerrand unserer "westlichen Information" schauen möchten.


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02. März 2008 Kategorie: Stasiuk URL


:: Ein Mißgriff
ich sollte eben nicht den Versuch unternehmen, durch einen Schnellkauf die Leselust zu befriedigen, in einer Bahnhofsbuchhandlung anregenden Lesestoff für die kommenden 6 Stunden im ICE zu finden...

Im Licht der Lagune

Der Autor Hanns Josef Ortheil war mir irgendwie angenehm präsent und so griff ich zu.
Hätte ich nicht tun können.

Man kann mit diesem Buch Zeit verbringen, aber man wird hinterher nur ein schales Gefühl haben, es bleibt nichts hängen.

Leere lange Sätze in einem konstruierten Erzählfluß ...

und ich habe wieder ein Problem: ich kann keine Bücher wegwerfen. Bücher, welche mir nicht gefallen, verschenke ich meistens. Aber dieses kann ich nicht verschenken, wer würde das mögen?


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02. März 2008 Kategorie: abzuraten URL


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