Lesebuch:: Literarisches auf Avantart :: Russisches

"Es ist ein Zeichen geistiger Freiheit, einen Bestseller nicht gelesen zu haben."

Paul Hindemith, 1895-1963


07.01.2009 :: "Das Hemd" von Jewgenij Grischkowez
Jewgenij Grischkowez

Auf www.buchbestattung.de habe ich ja schon das Hin und Her um die Buchgestaltung aufgespießt, hier nun aber noch ein paar Anmerkungen zu dem Buch selbst.

Der Autor nutzt hier eine beliebte literarische Form: das Protokoll. Der Erzähler ist auch gleichzeitig die Hauptperson, er erlebt und erleidet einen Tag in der Hauptstadt Moskau, einen Tag in der Schwebe zwischen Wunschtraum und Realität, Liebessehnsucht und Freundespflicht, Alltagssituationen und heftigsten Erschütterungen.

Ich möchte dieses Buch in eine Reihe stellen:


Alle drei Bücher haben ihre Meriten, dieses hier:
- es liest sich leicht, ist aber nicht oberflächlich
- es überrascht
- es fasziniert.

Moskau-Kenner ziehen sicherlich noch mehr Vergnügen aus der Lektüre, läßt sich doch so mancher Ort wiedererkennen
07.01.2009 Kategorie: Russisches URL


14.07.2008 :: Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis an Dieter E. Zimmer
"Der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis (15.000 Euro) geht an Dieter E. Zimmer für seine Übersetzungen angelsächsischer Literatur, insbesondere für die Übertragung der Werke Vladimir Nabokovs."

Das ist eine großartige Meldung, das ist eine großartige Würdigung.

Dieter E. Zimmer hat uns Nabokov nahegebracht wie kaum ein Anderer.
Wer sonst verliert sich so tief in den Werken des Großen Russen und verfaßt neben den Übersetzungen auch noch so wundersame Werke wie das kürzlich besprochene Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens?

Das Nabokov - Museum in Roshdestweno
Deshalb hier eine Aufnahme des Sommerhauses der Familie Nabokovs in Roshdestweno bei Siberski, etliche Kilometer südlich von St. Petersburg. Mehr Bilder, die ich 2000 im Sommer aufgenommen habe, gibt es auf hier: Das Nabokov-Museum in Roshdestweno

Herzlichen Glückwunsch!
14.07.2008 Kategorie: Russisches URL


07.05.2008 :: nochmal: Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens
Auf Schleichwegenvielleicht bin ich zu kleinkariert und habe die Ironie nicht verstanden, mit der Dieter E. Zimmer sein touristisches Photo auf die innere Umschlagseite plaziert hat...
wie dem auch sei, ich freue mich immer noch über dieses ganz besondere Buch!


Eines kann ich hinzufügen: der Autor beklagt im Buch, daß sowenig der zitierten Original-Literatur ins Deutsche übersetzt wurde und nun finde ich bei jokers.de dieses Angebot:


Nikolai M. Prschewalski
Auf Schleichwegen nach Tibet
1870 - 1873. Nikolai M. Prschewalski zählt zu den bedeutendsten Asienforschern der Neuzeit. Der russische General war auf zahlreichen Expeditionen unterwegs. Viele seiner Reiseberichte und geografischen Fachbücher wurden Standardwerke. Die hier beschriebene Reise führte den Entdecker in die Mongolei. Von dort aus versuchte er, die »verbotene Stadt« Lhasa in Tibet zu erreichen - wie Jahre später sein Bewunderer Sven Hedin...
317 S., einige s/w-Abbildungen, 14 x 21 cm, Leinen, SU, mit Lesebändchen.
Verlag: Edition Erdmann

07.05.2008 Kategorie: Russisches URL


29.04.2008 :: Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens
und ich reise mit...

Nabokov reistDies ist ein ganz besonders Buch und wieder einmal zeigt sich, daß das Modernes Antiquariat eine Schande für die deutschen Buchkäufer ist. Wie kann es angehen, dass ein solches Buch verramscht wird?

Ich kenne zwar die Nabokovsche Familie nicht so genau, ich weiß, daß sein Vater Mitglied einer Übergangsregierung Russlands nach der Absetzung des Zaren war, und daß er im Exil in Berlin ermordet wurde.

Nun schrieb Vladimir Nabokov den Roman "Die Gabe" und "Die Schmetterlingsschriften des Konstatin Godunov-Tscherdnyzew" und beschreibt in einem Kapitel eine geträumte Reise, bei der der Sohn seinen geliebten Vater auf einer Expedition in das Innere Asiens begleitet.

Woher hatte Nabokov, der nie in Tibet, Zentralasien, Westchina war, dieses Wissen? Woher kannte er all diese Details?

Er konnte in den Berliner Bibliotheken die Reiseberichte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts studieren und inzwischen sind auch alle Quellen, die er genutzt hat, bekannt.

Dieter E. Zimmer hat in einem wunderschönen Buch Ausschnitte aus den Reiseberichten der damaligen Zeit neben Nabokovs Text gestellt und es ist eine Freude, diesen Reisenden nachzuspüren.

Am besten gefielen mir die zwei amerikanischen Radfahrer...

Nun ist diese Anthologie noch von einer anderen Warte aus interessant: Die meist russischen Reisenden offenbaren hier ein imperialistisches Selbstverständnis, das derart ungetrübt uns heute doch recht bitter aufstößt.

Auch der Stolz, mit dem die Zahl der erlegten Bären pro Tag genannt wird, können wir heute nicht mehr nachvollziehen.

Ein bißchen unangebracht finde ich das Photo auf der dritten Umschlagseite, das den Herausgeber auf einem Kamel zeigt, wahrscheinlich an den Pyramiden oder in Tunesien, die Registriernummer des Kamels halb verdeckt... Ein Pauschaltourist gibt eine Anthologie äußerst individueller Forschungsreisender heraus... ;=(

Für mich ist dieses Buch deshalb auch interessant, weil ich zum Einen immer schon Reiseberichte gerne gelesen habe, zum Anderen weil ich selbst nach Zentralasien reisen werde, nach Kyrgisistan. Das im August.

Bis dahin möchte ich noch mehr solche interessanten Bücher lesen.

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29.04.2008 Kategorie: Russisches URL


22.12.2007 :: Deutscher Geist und Russische Seele
heißt ein Aufsatz, den Felix Philipp Ingold mir zur Veröffentlichung überlassen hat.

Ich veröffentliche ihn hier auf Avantart gerne, mit Freude.
Scheint es doch, als hätten beide Seiten die gegenseitige Nähe vergessen...

Ist mir doch Rußland sehr nahe und die Geschichte der gegenseitigen Beeinflußung und Entwicklung ist spannend. Auf meinen Reisen durch das Land bin ich oft auf Spuren deutscher Gelehrter oder Konstrukteure, Ingenieure gestoßen, meine russischen Freunde belehrten mich über den fruchtbaren Austausch der Wissenschaften.
Ich freue mich über dieses Geschenk von FPI und hier ist der Link:
Deutscher Geist und Russische Seele
Mit diesem Essay beginne ich eine Reihe von Texten zu diversen kulturgeschichtlichen oder kulturgeographischen Themen, die ich, wenn Avantart.com relauncht ist (wie man das so schön schreibt) sicherlich besser präsentieren kann.

22.12.2007 Kategorie: Russisches URL


16.04.2007 :: Schon wieder ein langweiliges Buch
Begrabt mich hinter der Fussleiste Ich las

Begrabt mich hinter der Fussleiste

von Pawel Sanajew, Natascha Wodin
in etlichen Rezensionen wurde dieses Buch gelobt.
Ich habe versucht, es wohlwollend zu lesen. Es ist mir nicht gelungen.
Es ist mir nicht gelungen, Verständnis zu finden für diese ewig nölende Großmutter und den passiven, flüchtenden Großvater.
Der altkluge Bub hat es mir eben einfach nicht angetan.

Daß sich zum Schluß alles wenden soll, nun denn.
Ich habe mich abgewandt.

Schade. Gerade der Name der Übersetzerin, Natascha Wodin, ließ mich aufmerksam werden auf dieses Buch. Hat sie doch etliche Bücher geschrieben oder übersetzt, die mir zu bestimmten Zeiten sehr wichtig waren, Nadja, Briefe aus Rußland zum Beispiel.
Bei diesem Buch hat es nicht gereicht.
16.04.2007 Kategorie: Russisches URL


09.04.2007 :: Der dicke Kater Behemoth war nicht mehr da...
nun bin ich in Moskau extra zur Straße der Sovjetischen Armee #13 gegangen und habe mich im Hof umgeschaut, ob ich diese nette Skulptur finde:
Behemoth

aber die beiden sitzen nicht mehr auf der Bank, sind fortgegangen:
Behemoth 2

war wohl nur eine temporäre Installation.
Schade. Im August letzten Jahres hatte ich mich schon auf den Besuch gefreut...
09.04.2007 Kategorie: Russisches URL


23.03.2007 :: "Kritik und Luftblasen" zur Leipziger Preisverleihung
Im zweiten Teil folgte die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung an Michail Ryklin und Gerd Koenen, sie rettete den Abend. Der Kontrast zum ersten Teil hätte kaum größer sein können. Kerstin Holm, Moskauer Kulturkorrespondentin der FAZ und die Laudatorin, hatte zwar mit Zischlauten und der Mikrofonanlage zu kämpfen, aber inhaltlich waren ihre Ausführungen glasklar. Putin arbeite daran, den russischen Untertanenstaat zu restaurieren. Keime einer Zivilgesellschaft, die in der russischen Gesellschaft in den Neunzigerjahren vorsichtig gesprossen waren, würden nun systematisch wieder zerstört. Liberale Künstler und Intellektuelle würde als leichte Gegner ausgesucht. Kunstausstellungen würden gestört, bedroht, vandalisiert. Insgesamt trage Putins Regime Züge einer Polizeigesellschaft. Sodann warb Kerstin Holm für eine "Kunst der Freundschaft" zu Russland und für das zivilisatorische Projekt, Europa bis an den Pazifik zu verlängern. Dass das aber nicht geht, wenn man die gegenwärtigen Zustände akzeptiert, machte sie sehr deutlich. Dann redeten die Preisträger.

Ebenso wie Kerstin Holm nahmen sie kein Blatt vor den Mund. Eine Niederlage der kritischen Sprache der zeitgenössischen Kunst in Russland konstatierte Michail Ryklin, der russische Philosoph, der für seinen Essay "Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie" (Suhrkamp Verlag) die eine Hälfte des Preises zugesprochen bekommen hatte. Ryklin kam direkt auf den deutschen Exkanzler Gerhard Schröder zu sprechen. Das offene Russland brauche andere Unterstützung als nur funktionierende persönliche Beziehungen zum russischen Präsidenten.

Gerd Koenen, der die zweite Hälfte des Preises für seine große Studie "Der Russland-Komplex" (Beck Verlag) bekommen hatte, warnte ebenso vor einer unkritischen Freundschaft zu Russland. Er mahnte realistische Beziehungen zu diesem Staat an, gerade auch aus der Erfahrung der deutschen Russlandschwärmerei in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts heraus, die er in seinem Buch beschrieben hatte. Dann erwähnte Koenen Anna Politkowskaja: Der Mord an dieser Journalistin müsse eine Mord zu viel sein, der nicht mehr hingenommen werde.

So vertrauten die Laudatorin und die Preisträger der Macht des Wortes. Danach waren am Mittwoch in den Foyers des Leipziger Gewandhauses die Buffets eröffnet.


Die TAZ berichtet über die Preisverleihung. Und macht klar, wer das Wort hat und wer nur Luftblasen absondert.

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23.03.2007 Kategorie: Russisches URL


22.03.2007 :: Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
Mit dem Recht des Stärkeren. Die russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie Ich las

Mit dem Recht des Stärkeren. Die russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie

von Michail Ryklin
dieser wichtige Preis wurde neben Gerd Koenen an Michail Ryklin verliehen.
Beide haben wichtige Bücher über Rußland geschrieben,
Michail RyklinMichail Ryklin den Band "Mit dem Recht des Stärkeren", der Einblick gibt in die Prozesse, die gerade in Rußland das Rad zurück, hin zum autoritären Staat, drehen. Mich interessiert dieses Buch besonders, da ich einige der darin genannten Personen kenne.
Mit dem Recht des StärkerenEs geht um die unselige Gerichtsverhandlung anläßlich der Zerstörung einer Kunst-Ausstellung im Moskauer Sakharow-Zentrum, bei der die Vandalen freigesprochen, die Künstler verurteilt und die Volksseele auf den richtigen Kurs gebracht wurde.

Die Laudatio auf die beiden Preisträger hielt Kerstin Holm, die verdiente Moskau-Korrespondentin der FAZ, auch erklärte Liebhaberin zeitgenössischer Musik. Kenntnisreich berichtet sie seit 1991 aus Moskau. Gerade vor 3 Wochen flogen wir zusammen mit ihr nach Moskau, im April werden wir sie wieder treffen.

Ein Porträt von Frau Holm findet sich auf den Seiten der Stadt Leipzig, leider mit einem falschen Seitentitel.

Verdienstvoll ist auch, daß die Reden der Preisträger sowie die Laudatio im PDF-Format zum Download bereitstehen:

Gerd Koenen "Mein Russland-Komplex oder: Wir sind Gefangene"

Michail Ryklin, Dankesrede

Kerstin Holm, Laudatio

Ich lege es Ihnen ans Herz, diese Beiträge zu lesen.
Es ist wichtig, daß wir Westler uns klarmachen, was dort geschieht.
22.03.2007 Kategorie: Russisches URL


20.02.2007 :: Sergej Gandlewski: Warten auf Puschkin
Warten auf Puschkin Ich las

Warten auf Puschkin

von Sergej Gandlewski, Andreas Tretner
Bilanz eines Dichterlebens steht auf dem Rückentext, und der Autor wird von Ulrich M. Schmid, dem kenntnisreichen Rezensenten der Neuen Zürcher so gelobt:

Mit seiner Aufdeckung der "geheimen Hierarchie des Untergrund-Literaturbetriebs", so das Fazit des Rezensenten, gelinge Gandlewski eine "witzige Allegorie auf die Mythen, Stilisierungen und Selbstbespiegelungen der russischen Autoren".

Ich fands nicht so. Ich habe mich gelangweilt.

Kleines Ego eines uninteressanten Mannes und Puschkin kommt eben nicht.

Und dann heißt es da noch: Der meisterhafte Roman des populärsten russischen Dichters der Gegenwart
Ich bin ja eigentlich nicht unbelesen in der zeitgenössichen Literatur, aber von S. G. habe ich noch nie was gehört, und wer ist denn dann Akunin?
20.02.2007 Kategorie: Russisches URL


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