21.03.2008 ::
Kitschprobe
Meinem Urteilsvermögen vertraue ich und ich gebe meine Meinung auch des öfteren ungebrochen und vehement kund, aber ab und an zweifel ich doch.
In solchen Fällen hilft mir die Kitschprobe:
ich erzähle einer anderen Person das Buch in einem Fluß, geradeheraus und frei Schnauze ... und gebe in einem letzten Satz dann meine Einschätzung ab. Am Tonfall, am Redefluß merke ich dann selbst, ob mir das Buch gefallen hat, ob ich mich geärgert habe, ob es Kitsch ist, ob es verträglicher Kitsch oder zukleisternder Kitsch ist..
Bei dem
Sommer in Venedig habe ich gezweifelt. Solche Bücher liegen mir am Herzen: Jungs zu Beginn des Weltkrieges erzählen ihre Kindheit, das Ende ihrer Kindheit. Mit dieser Thematik habe ich schon meine Staatsexamensarbeit bestritten...
Und dieser Junge träumt von Venedig, die Flüchtlinge, die am Obstgarten vorbeiziehen, wo er bei seiner Tante den letzten Kindheitssommer verbringt, träumen allerdings nicht mehr.
Und der sterbende Soldat, in dessen brechenden Augen sich die Abendsonne spiegelt, hat endgültig ausgeträumt.
Ich kann mich dem
Urteil der Leser, so wie sie z.B. auf Amazon das Buch loben, nicht anschließen. Und ich finde es auch ausgesprochen degoutant, wenn neben dem vortrefflichen Inhalt die feine Ausstattung des Buches (Umschlag, Innenrückenseiten, Lesebändchen) gerühmt wird.
Nicht bei einem solchen Thema.
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21.03.2008 Kategorie: Urteilsvermoegen
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16.08.2006 ::
Georg Christoph Lichtenberg : Die Aphorismenbücher
er hat immer wieder recht und es gibt immer wieder Gründe,
den Lichtenberg herauszukramen.
So ist bei
Zweitausendeins ein Reprint der Leitzmannschen Ausgabe von 1902-1908 erschienen.
Was mich dazu brachte, die alte Ausgabe(n) wieder einmal aus dem Regal zu holen, abgenutzt sind sie, obwohl sie sicherlich die letzten 30 Jahre nicht sehr oft angesehen wurden. Das wird sich ändern.
Lesen heißt borgen, daraus erfinden abtragen
16.08.2006 Kategorie: Urteilsvermoegen
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27.05.2006 ::
wer wie Frau Schwarzer meint,.
sie glaube, daß Handkes Mut Heine „vermutlich imponiert” hätte, hat nichts von Heine gelesen / verstanden.
Ihm wäre schlecht geworden bei dem Gedanken, daß ein nach ihm benannter Preis an so einen Völkermordleugner wie Handke vergeben wird. Aber ihm wäre wahrscheinlich schon schlecht geworden bei dem Gedanken, daß ein Preis nach ihm benannt wurde.
Ich distanziere mich entschieden von meiner Geburtsstadt Düsseldorf, wo die Herrschaften so geistig verkommen zu sein scheinen, daß sie meinen, ein Freund Milosevics habe sich der Völkerfreundschaft verdient gemacht, denn dafür ist der Preis bestimmt..
27.05.2006 Kategorie: Urteilsvermoegen
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17.08.2003 ::
"Warum ist Karl Krolow vergessen?"
In der FAZ-Sonntagszeitung wird Marcel Reich-Ranicki gefragt:
Das Werk des Dichters Karl Krolow ist weitgehend in Vergessenheit geraten - zu Unrecht?
Marcel Reich-Ranicki: "Die Vermutung, Karl Krolow sei vergessen, weil das Interesse - wie die Fragestellerin schreibt - an "etwas traditioneller Lyrik" abnehme, halte ich für ganz falsch. Es trifft eher das Gegenteil zu: Experimentelle Poesie überlebt sich in der Regel besonders schnell, gerade die Avantgarde gerät rasch in die Arrieregarde. Das jedenfalls lehrt die Geschichte der deutschen Literatur. Und schließlich: Alles auf Erden ist vergänglich - auch die Poesie."
erst denke ich über den Dichter Karl Krolow nach, erinnere mich an das, was ich von ihm gelesen habe und dann überdenke ich die Frage genauer und ärgere mich. Denn die Frage zielt nicht auf eine Bewertung des literarischen Bewertens ab, die Frage zielt darauf ab, daß M. R.-R. das beurteilen könne und daß sein Urteil Bestand hätte. Da wird die eigene Urteilsfähigkeit abgegeben an einen Experten.
Aber kann man das nicht selbst entscheiden? Durch Wiederlesen, Besprechen mit anderen literarisch Gesinnten etc.?
17.08.2003 Kategorie: Urteilsvermoegen
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