Sep 141999
 
Herbst

Herbst

Der Herbst schaut grübelnd in des Abends Helle,
Die Gräser deckt ein leichter Nebel zu,
Die Hütte kaut mit greisem Mund – der Schwelle -
Das duftige Brot der abendlichen Ruh.

Herbstliche Kühle, weich mit Dunst verschlungen,
Stiehlt sich zur Scheune über Feld und Au;
Versunken schaun zwei flachshaarige Jungen
Aufs Spiel der Dohlen durch der Scheiben Blau.

Die grüne Asche auf dem rosigen Herde
Glimmt fahl am Rauchfang, wo noch Kohlen sind.
Und jemand fehlt, verschluckt von Nacht und Erde,
Von jemand flüstert schmallippig der Wind.

Zwei Färsen stören nicht mehr auf die Ruhe
Von Gras und Laub, die goldner Rost betaut.
Den Schnabel eines aufgeblähten Uhus
Küßt ein gezogener, dünner Klagelaut.

Im Stall herrscht Stille und ein Schlummerweben;
Der weiße Weg hüpft um den Graben nackt …
Das Gerstenstroh seufzt zärtlich und ergeben
Am Maul der Kühe, nickend mit dem Takt.

Die goldnen Schatten auf dem Herbstwald liegen,
Er sprach in seiner Birkensprache gern;
Die Kraniche, die traurig weiterfliegen,
Bedauern nichts und sind dem Schicksal fern.

Bedauern – wen? Wir alle wandern, schweifen -
Du kommst und gehst und läßt das leere Haus -
Es träumt von denen, die die Welt durchstreifen,
Und tief im Teiche lischt das Mondlicht aus.

Ich bin allein. Ringsum der Ebene Stille,
Die Kraniche hat längst der Wind verweht,
Ich sehne mich nach meiner Jugend Fülle,
Und doch ist nichts, das mir zu Herzen geht.

Ich klage nicht um Jahre, die entlaufen,
Um Seelenblüten, duftig und verschwärmt,
Im Garten brennt ein großer Scheiterhaufen.
An dem sich aber keines wirklich wärmt.
Wie auch die Flammen sich zusammenballen,
Das gelbe Ebereschenlaub bleibt fest.
Ich lasse meine Worte traurig fallen,
So wie der Baum die Blätter fallen läßt.
Und wenn die Zeit, im Zeichen neuer Sterne,
Sie einmal wegfegt, anderm Unrat nach,
So sollt ihr sagen, daß der Herbstwald gerne
In seiner Birkensprache zu ihm sprach.