Andrzej Stasiuk

Andrzej Stasiuk

Andrzej Stasiuk hat es auf die Insel geschafft, er ist in die Insel Bücherei aufgenommen worden. Das ist eine Ehre für ihn und ein Glück für uns Leser.

5 Geschichten sind in diesem Bändchen versammelt, die verstreut veröffentlicht waren. Fünf Geschichten, in denen eigentlich nichts geschieht und in denen doch das ganze Leben steckt.

Mehr als empfehlen kann ich dieses Buch nicht und als Geschenk ist es immer ein guter Tip.

Andrzej Stasiuk: Winter: Fünf Geschichten
broschiert: 63 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (16. September 2009)
ISBN-10: 345819322
ISBN-13: 978-3458193227

In der Rubrik “Galizien” hier auf dieser Seite findet man immer wieder Bruno Schulz.

ZimtlädenSeine Zimtläden waren das erste Buch von ihm, das ich als junge Studentin las. Dann kam ich ja zur Jahrtausendwende in seine Heimat, nach Drogobycz in der Ukraine. Und seitdem berichte ich über ihn hier in meinem Lesebuch.

Nun ist die gerühmte Übersetzung von Doreen Daume auch als Taschenbuch erschienen. Diese Übersetzung hat überschwenglichstes Lob erfahren (siehe Perlentaucher) und ich mußte das Buch natürlich kaufen.

Gelesen habe ich diese Ausgabe noch nicht. Das wird zwischen den Jahren geschehen. Dann werde ich auch den Essay David Grossmans, der dem Buch beigefügt ist, lesen.
Ich bin gespannt.

Bruno Schulz: Die Zimtläden
übersetzt von Doreen Daume
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2009)
ISBN-10: 3423138386
ISBN-13: 978-3423138383

was braut sich da zusammen?

Yuri Andruchowytsch

Yuri Andruchowytsch: Moscoviada

Andruchowytsch’s Moscoviada ist beim Perlentaucher unter die männlichen SCHs gefallen:

Wolfgang Schneider

Christoph Schröder

Ulrich M. Schmid

Spökenkiekerei ;=)

ist der Titel des Dokumentarfilms von Benjamin Geissler über die Suche nach den Fresken, die Bruno Schulz 1942 in der Wohnung des SS-Hauptmannes Landau malen musste.

Ein eindrucksvolles Portrait der Menschen, die Geissler zusammen mit seinem Vater bei der Suche traf, mit denen er sprach, suchte und fand.

Ghettomauer in DrogobyczDie Gedächtnismauer an die Vernichtung der jüdischen Bevökerung in Drogobych

Die Bedeutung Schulz’ als Dichter, als polnischer Kafka, das schwierige kulturelle Klima in der Westukraine, die Ignoranz und der latente Antisemitismus der ukrainischen Bevölkerung wurden leider nicht sehr deutlich.

Das hätte die Brisanz des gesamten Themas noch verstärkt. Aber was maße ich mir Kritik an. Das Verdienst der beiden Geissler, die Fresken gefunden zu haben und den Verlust, den Raub durch Yad Vashem dokumentiert zu haben, ist nicht hoch genug einzuschätzen.


Link zur Seite des Films: Bilder finden

Bruno Schulz

Bruno Schulz

die Süddeutsche veröffentlicht am 23.08.03 eine Erzählung des jungen Erzählers Gernot Wolfram: “Die Fresken“. (nicht mehr online)

Das ist nichts Ungewöhnliches und auch nichts Besonderes. Aber die Erzählung ist ärgerlich. Grund: Es geht um Bruno Schulz, den polnisch-jüdischen Dichter aus Drohobyzch, Kafka-Übersetzer und Maler, Sklave eines Offiziers, von einem Oberscharführer erschossen.

Bruno Schulz ist der Verfasser der Zimtläden, einer Sammlung surrealistischer, äußerst dichter Geschichten. Bruno Schulz war lange Zeit vergessen. In den 60er Jahren wurde sein Werk auch ins Deutsche übersetzt, bei Hanser verlegt. In letzter Zeit wurde er wieder wahrgenommen, als der deutsche Filmregisseur Benjamin Geissler zusammen mit seinem Vater die Fresken wiederentdeckte, die Schulz gezwungenermaßen in der Villa des Offiziers malen mußte.

Kurz nach den ersten Berichten über diese Entdeckung wurden diese Fresken von Mitarbeitern der Gedächtnisstätte Yad Vashem aus Israel rechtswidrig entfernt und in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus der Ukraine nach Israel verbracht. Eine kriminelle Annektion.

Und nun kommt dieser junge Mann daher, und schreibt eine Erzählung über diesen Kunstraub, in der Erzählhaltung eines der Beteiligten, mit schlechter Syntax, stilistischen Schwächen. Aber darum geht es nicht.
Es ist die Erzählhaltung, die ich verabscheue.

Er versucht leiseste Skrupel des Ich-Erzählers herauszuarbeiten, die er mit der ruhigen Selbstgewissheit und dem Ehrgeiz der anderen Kunsträuber, anders kann ich das nicht nennen, konfrontiert.

Aus Bruno Schulz macht er den Schriftsteller und Maler Zimt, Benjamin Geissler heißt Berger und ansonsten wird einfach erzählt. Er vereinnahmt das Schicksal des unglücklichen Schulz für eine pseudoliterarische Rechtfertigung des Kunstraubes.

Ich meine, hier wird Bruno Schulz wieder zum Opfer gemacht.
Genauso wie ihn Ugo Riccarelli in dem unsäglichen Machwerk Ein Mann, der vielleicht Schulz hiess zum Opfer machte.

Beide Autoren vereinnahmen den wehrlosen Autoren ebenso wie Yad Vashem ihn als israelischen Künstler vereinnahmt oder wie er in der Yahoo-Gruppe Bruno Schulz auf seine ethnische Zugehörigkeit reduziert hysterisch hochstylisiert wird.

Was soll das?
Warum vergreifen sich die schlechten Schreiber an Bruno Schulz?
Und warum veröffentlicht die Süddeutsche solch einen Schund in ihrer Wochenendausgabe?


Der Autor gibt auch Lesungen und die Lesungen werden z.B. so angekündigt:

Gernot Wolframs Geschichten berichten von Menschen, die plötzlich in eine Situation des Zweifelns geraten. Mit einem Mal werden ihre Überzeugungen brüchig, stimmen nicht mehr, verändern sich. Zum Beispiel geht es um einen Journalisten, der glaubt einem Verbrechen auf der Spur zu sein, dann, weil er das falsche Foto schießt, selbst unter Verdacht gerät. Eine Gruppe israelischer Restauratoren stößt in einer Villa in der Ukraine auf die Fresken des ermordeten Dichters Bruno Schulz ….

ja ja, die Täter, Kunsträuber stoßen plötzlich auf die Fresken. Klar, ein Dieb trifft zufällig auf die Beute.

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