Ich bin immer noch nicht durch. Das liegt daran, daß ich den größten Teil des Buches vorlese.
So haben mein Mann und ich den größten Spaß daran.
Aber mehr als ein, zwei Kapitel kann man nicht auf einmal vorlesen. Das Vorgelesene muss ja auch goutiert werden.

Inzwischen ist der Protagonist aber wenigstens geboren, wenn auch mit lädierter Nase.

Nasenkorrektur

Ab und an gibt es Zwischenlektüren, so der OstvorPommern-Krimi “Letzte Losung”, der es nur in mein Ostvorpommern-Blog Gribowski geschafft hat. Es gibt halt Bücher, die liest man und dann ist auch gut. Dieses Buch ist nun auf Wanderschaft, wers mag, kanns behalten.

Ganz anders war dagegen “Freitisch” von Uwe Timm zu lesen. Auch dies spielt in OVP, aber es hat Tiefe. Es hat was mit uns zu tun, und kaut uns nichts vor. Die Besprechung dieses Bandes auch auf Gribowski.

 Aber eigentlich warte ich auf Alias oder das wahre Leben, das neue Buch von Felix Philipp Ingold.

oder eher Schreibpause?

im Oktober mußte ich mich einer heftigen Fuß-OP unterziehen, einige Zeit im Krankenhaus verbringen.
Deshalb gab es hier keine neuen Einträge.
Aber gelesen habe ich. Natürlich.
Die Bücher werde ich jetzt nach und nach hier vorstellen. Braucht aber noch ein wenig.

steht auf dem Grabkreuz des Dichters Marek Hlasko auf dem Wiesbadener Südfriedhof.
Geschmückt ist die Grabstelle mit roten und weißen Blumen, den Farben Polens.
Marek Hlasko wurde nur 35 Jahre alt, lebte ein verzweifeltes Leben und starb 1969 in Wiesbaden an einer Schlaftabletten-Vergiftung.
Seine Erzählungen (“Der achte Tag der Woche”, “Alle hatten sich abgewandt” und andere) wurden ins Deutsche übersetzt und bei uns gelesen. In seiner Heimat Polen, aus der ausgewiesen wurde, wurden seine Werke nicht gedruckt.
So zornig wie seine Helden, so verzweifelt und gescheitert – so lebte auch er.

Heute gibt es keine seiner Romane und Erzählungen mehr im Buchhandel, der Film “Der achte Wochentag” ist in Vergessenheit geraten, wer kennt ihn noch?

Als Schülerin las ich seine Bücher, am stärksten beeindruckte mich wohl “Alle hatten sich abgewandt”, die Verzweiflung, die Heimatlosigkeit – das ging mir nahe.
Ich erinnere mich auch an einen Mann in einem langen Regenmantel, der alleine und finster an der Theke im Wiesbadener “Jazzhaus” stand. “Das ist der polnische Dichter” flüsterte mir ein Kumpel zu, als ich nach dem Unbekannten fragte.

Dann sah ich auf dem Wiesbadener Südfriedhof sein Grab und fortan brachte ich ihm Blumen, wenn ich das grosselterliche Grab aufsuchte, manches Mal kam ich auch nur bis zu seinem Grab.

All das kam mir wieder in Erinnerung, als Hania Zdrojewska in einer Mail anfragte, ob ich ihr den Weg zu seinem Grab auf dem Wiesbadener Friedhof nennen könne. Das konnte ich nicht, aber das Friedhofsamt gab Auskunft und so konnte die polnische Germanistikstudentin das Grab aufsuchen.

Sie sandte mir Photos vom Grab und einen Plan des Friedhofs. Nun werde ich bei meinem nächsten Besuch in der alten Heimat sein Grab wiederfinden.
Südfriedhof

Herman Bang

Herman Bang

Wenn Frau Herbst mir etwas empfiehlt, dann folge ich Ihrem Rat (meistens).

Dieses Mal empfahl sie mir “Herman Bang – Eines Dichters Letzte Reise”, Texte, Briefe von Herman Bang, Klaus Mann und Friedrich Sieburg.

Von Gustav Seibt wurde dieses Buch als literarische Kostbarkeit bezeichnet. Er hat ganz einfach recht.

Das Buch enthält ein Vorwort von Joachim Kesten, die Erzählung Der große Kahn von Herman Bang, einen Text von Klaus Mann, einen Brief von Bang an seinen Verleger, eine Reflektion von Friedrich Sieburg und den letzte Brief Bangs vor seinem Tode.

Ich kannte den Namen des Autors, wußte, daß meine Mutter viel von ihm gelesen hat, fand aber nichts im Regal und kann mich auch nicht erinnern, je etwas von ihm gelesen zu haben. Umsomehr spürte ich das Versäumnis, als ich die kurze Erzählung las, und habe dann auch gleich bei ZVAB bestellt, um diese Leselücke zu schließen.
Allein schon die Verlage, die seine Werke publizieren, Manesse und Insel Verlag, sprechen für die Qualität dieses Autoren.

Ich empfinde dieses Buch als Glücksfall, weil es in dichter Weise die Verknüpfung von Literatur und Leben aufzeigt. Und dadurch anrührt.

Hermann Bang: Herman Bang – Eines Dichters letzte Reise
Drei Erzählungen von Herman Bang, Klaus Mann und Friedrich Sieburg
Gebundene Ausgabe: 159 Seiten
Verlag: Arche Verlag (März 2009)
ISBN-10: 3716026093
ISBN-13: 978-3716026090

Die Buchseite beim Perlentaucher

Ilma Rakusa

Ilma Rakusa

Dieses Buch ist inzwischen erstaunlicherweise in der 3. Auflage erschienen. Die Autorin Ilma Rakusa erhielt dafür den Schweizer Buchpreis 2009.

Warum liest man Bücher, Erinnerungsbücher, oder wie dieses hier genannt wird, Erinnerungspassagen? Von Autoren, Autorinnen, die nur wenig älter sind als man selbst?

Was ist das Besondere an diesem Buch?

Nun ich finde an diesem Buch nichts Besonderes. Eher Langeweile und Ich-Bezogenheit.
Ich gestehe, daß ich aus persönlichem Interesse dieses Buch gelesen habe, aber das was ich zu erfahren hoffte, wird ausgeklammert.
Nun denn.

Ist es die südöstliche europäische Region, aus der die Autorin stammt, die mich interessierte? Dieser literaturgeschwängerte Teil Europas, dessen Widerspiegelung ich in ihren Erinnerungen zu finden dachte?

Ich weiß es nicht. Mir ist da zuviel ICH ICH ICH in dem Buch.

Erstaunlicherweise fand dieses Buch nicht nur den Schweizer Buchpreis, sondern auch ein großes Echo bei den Rezensenten (s. Perlentaucher)

Ilma Rakusa: Mehr Meer: Erinnerungspassagen
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Literaturverlag Droschl; Auflage: 3 (4. August 2009)
ISBN-10: 3854207603
ISBN-13: 978-3854207603