Apr 222009
 

durch Erschöpfung, permanente Berufsreisen, Aufenthalte in heruntergekommen Maritim-Hotels und durch andere Gründe kam ich in letzter Zeit zwar zum Lesen, aber nicht sehr zum intensiven Lesen.

Einige Bücher waren zwar nett zu lesen, sind aber nicht wert, ausführlicher besprochen zu werden, z. B. Ulrich Tukurs Venedig-Erzählungen „Die Seerose im Speisesaal“…

Aber auch das neue Haus in Ostvorpommern hat Zeitvertreib geboten, sodaß nicht viel Zeit zum Lesen blieb.

Warlam Schalamow

Warlam Schalamow

Warlam Schalamow

Warlam Schalamow

Ich möchte aber auf ein Buch hinweisen, das mich seit Monaten beschäftigt und das so stark auf mich wirkt, daß ich nicht mehr als eine Erzählung daraus alle paar Tage ertragen kann: Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma.

Noch nie in meinem Leben habe ich eine Sprache gehört, gelesen, die so klar und unprätentiös berichtet und die es ermöglicht, den furchtbaren Schrecken zu erfahren, der die Menschen so geknechtet hat.

Die Erschöpfung, die Qual, der schnelle Verlust der Individualität und Menschlichkeit, den jeder erleidet, der dem Lagersystem ausgeliefert ist, ist fast nicht zu ertragen. Als Leser.
Wie hat das Warlam Schalamow aushalten können? Er hat jeden Respekt, der nur möglich ist, verdient.

Warlam Schalamow: Durch den Schnee: Erzählungen aus Kolyma 1
Gebundene Ausgabe: 342 Seiten
Verlag: Matthes & Seitz Berlin; Auflage: Werkausgabe. (Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 388221600X
ISBN-13: 978-3882216004

Warlam Schalamow:Linkes Ufer Erzählungen aus Kolyma 2
Gebundene Ausgabe: 318 Seiten
Verlag: Matthes & Seitz Berlin; Auflage: 2., Aufl. (Februar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3882216018
ISBN-13: 978-3882216011

Jan 072009
 
Das Hemd

Das Hemd

Auf www.buchbestattung.de habe ich ja schon das Hin und Her um die Buchgestaltung aufgespießt, hier nun aber noch ein paar Anmerkungen zu dem Buch selbst.

Der Autor nutzt hier eine beliebte literarische Form: das Protokoll. Der Erzähler ist auch gleichzeitig die Hauptperson, er erlebt und erleidet einen Tag in der Hauptstadt Moskau, einen Tag in der Schwebe zwischen Wunschtraum und Realität, Liebessehnsucht und Freundespflicht, Alltagssituationen und heftigsten Erschütterungen.

Ich möchte dieses Buch in eine Reihe stellen:

  • Moskau Petuschki ist Wenedikt Jerofejews innerer Monolog einer imaginären Zugfahrt in der sowjetischen Stagnation
  • Moscoviada ist Yuri Andruchowytschs Schilderung eines Tages als Student in Moskau
  • Das Hemd ist ein Tag im nachkommunistischen Moskau, im hochkapitalistischen Moskau.

Alle drei Bücher haben ihre Meriten, dieses hier:
– es liest sich leicht, ist aber nicht oberflächlich
– es überrascht
– es fasziniert.

Moskau-Kenner ziehen sicherlich noch mehr Vergnügen aus der Lektüre, läßt sich doch so mancher Ort wiedererkennen

Nov 052008
 
Mikhail Bulgakov

Mikhail Bulgakov

Eigentlich nicht.

Ich bin nur sehr erschöpft und komme nicht konzentriert zum Lesen. Aus beruflichen Gründen.

Zuviel schwierige Arbeit an zu viel verschiedenen Orten.

Der Band „Die weiße Garde“ von Mikhail Bulgakow ist nicht zuende gelesen. Ich bekam den Kick nicht mit. Zu langatmig, ohne daß ich mich einfinden könnte.

Ich habe es bis jetzt nicht geschafft.

Bevor ich dem Buch aber Unrecht tue, lege ich es lieber beiseite.

Mikhail Bulgakow: Die weiße Garde: Roman
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Sammlung Luchterhand (18. April 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3630620957
ISBN-13: 978-3630620954
Originaltitel: Belaja gvardija
Sep 032008
 
Mikhail Bulgakow

Mikhail Bulgakow

nun war ich einige Tage in Kiev und habe natürlich, endlich, das Wohnhaus Mikhail Bulgakows besucht.

Dieses Haus ist zugleich der Ort seines Werkes „Die Weiße Garde“, denn der Autor siedelte die Familie Turbin in der Wohnung an, in der er viele Jahre lebte und in der auch er die russische Revolution und ihre Wirren und den Bürgerkrieg erlebte.

Das Wohnhaus kann besichtigt werden, verwunderte mich aber doch sehr, denn die gezeigten Räume waren nicht museal aufbereitet, sondern fast verspielt „dekoriert“, eine Installation, welche die Realitätsebene der Wohnräume des Dichters mit der Ebene der Räume der Familie Turbin vermischt… und so ein merkwürdiges Zwielicht schafft..

Nun, über Geschmäcker läßt sich trefflich streiten, und unser Dichter, der später so erbärmlich endete und erst auf dem

Mikhail Bulgakow

Mikhail Bulgakow

Novodevishi Friedhof in Moskau seine, wenn auch letzte, Ruhe fand, sitzt zufrieden und lässig auf seinem Sitz neben dem Wohnhaus.

Ich habe mir ersteinmal den Band „Die Weiße Garde“ bestellt, denn dieses Buch fehlt mir noch, und thematisch passt es ja zum vorherigen Eintrag sehr wohl.

Sehr, sehr erstaunlich für uns erscheint uns immer wieder die Belesenheit und die Wertschätzung des Erschaffers von „Der Meister und Margarita“, welches von Russen und Ukrainern geradezu verehrt zu werden scheint.

Bulgakovs Grab habe ich in meinem Lesebuch auch gewürdigt, zu seinem 66. Todestag.

Sep 032008
 

Orlando Figes

Orlando Figes

Das Werk „Die Flüsterer. Leben in Stalins Russland“ (Berlin Verlag) von Orlando Figes ist zum Buch des Monats September 2008 gewählt worden.

Zum Lesen dieses Buches brauche ich jedenfalls mehr Zeit als einen Monat. Und nicht nur wegen des immensen Umfangs. Sondern wegen der seelischen Erschöpfung…

das Leben der Menschen in der Stalinzeit war so unvorstellbar gesteuert, überwacht, eingeschränkt, der Willkür ausgeliefert, daß wir westliche Leser es uns fast nicht vorstellen können.

Ein Ehepaar lebt 50 Jahre miteinander und nicht einmal kommt die Sprache auf die Tatsache, daß beide in der Verbannung groß geworden sind; sie sprechen darüber auch Jahrzehnte später nicht, so sitzt die Angst im Leben.

Es ist wichtig, daß es dieses Buch gibt.
Es ist wichtig, daß dieses Buch gelesen wird.

Orlando Figes: Die Flüsterer: Leben in Stalins Russland
Gebundene Ausgabe: 1088 Seiten
Verlag: Berlin Verlag; Auflage: 1 (9. August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827007453
ISBN-13: 978-3827007452