Marcel Reich-Ranicki!

Sie haben es geschafft, unruhig und lebhaft und ideenreich 90 Jahre alt zu werden!
Ich habe sehr viel von Ihnen gelernt, Sie haben mir viele Bücher ans Herz gelegt, ich habe durch Sie Respekt vor der Literatur bekommen. Respekt habe ich ganz besonders vor Ihnen!
Möge Ihre Streitbarkeit uns noch lange erhalten bleiben!
Foto: (c) wikicommons

Mikhail Bulgakov
Einen besseren Nachruf als den von Christiane Pöhlmann kann es gar nicht geben: Mir nach, Leser! auf glanzundelend.de

Anton Chechov
und die Artikel über Anton Cechov mehren sich in den Feuilletons und den Blogs.
Ein hundertfünfzigster Geburtstag ist ein wichtiges Datum. Wird es gefeiert, zeigt die Feier an, daß der zu Ehrende nicht vergessen ist.
Wie kann es denn bei Anton Cechov auch anders sein?
Er ist und bleibt der menschlichste und feinste aller Schriftsteller des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.
Wie in diesem Lesebuch unschwer zu finden ist, genießt er meine ganz besondere Wertschätzung, habe ich doch ein ganzes Jahr seiner Lektüre gewidmet, und ich denke, bis auf die Reise auf die Insel Sakhalin habe ich auch alle seine Werke ausgelesen. Zu meinem Gewinn. Nun sind wir Deutschsprachigen in der glücklichen Lage, daß, nicht zuletzt dank Peter Urban, die meisten Übersetzungen seiner Werke vorzufinden.
Deshalb brauchte ich ja auch ein ganzes Jahr für die Lektüre.
Nun also sein Hundertfünzigster am 29. Januar. Wieviel hätte er noch schreiben können, wäre er nicht so jung gestorben, kaum über 40.
Jeder Versuch, ihn zu würdigen,ist nichts gegen den großartigen Beitrag im ZVA – Blog:
Anton Pawlowitsch Tschechow / Versuch eines Porträts von Hanns-Martin Wietek.
Herta Müller hielt heute ihre Nobelpreisrede und ich habe versucht, den Text ihrer Rede auf der Webseite des Nobel-Komitees zu finden.
Das ist mir nicht gelungen, es gabt dort zwar einen “Video-Broadcast”, aber nicht den Text.
Den Text fand ich jedoch bei der FAZ, welche die Rede in vollem Wortlaut veröffentlicht:
Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis

Rosen für Herta Müller
Der Literatur-Nobelpreis für Herta Müller ist eine wunderbare Überraschung, und so komme ich schneller zum Schreiben über das Buch “Atemschaukel”, das ich seit drei Wochen lese.
Ein so dichtes Buch, so intensiv, daß ich nicht länger als ein Kapitel lesen kann, und gleichzeitig nicht aufhören möchte zu lesen.
Die Entstehungsgeschichte des Buches ist auch wichtig: es basiert auf den Lagererlebnissen Oskar Pastiors, der wie die Autorin, aus Rumänien stammt und als Rumäniendeutscher verfolgt und ins Lager verbannt wurde.
Oskar Pastior ist einer der größten Poeten unserer Sprache und sein Tod vor 2 Jahren ist schwer verschmerzbar.
Herta Müller ist eine großartige Prosaistin. Sie beherrscht die Sprache so, daß die Sprache nicht reduzierter sein kann, sich nicht über ihr Thema erhebt, sondern das Thema erfahrbar macht.
Sie hat das gemeinsame Buch zuende geschrieben.
Dafür danke ich ihr. Und nicht nur dafür hat sie diesen Literatur-Nobel-Preis erhalten. Eine ausgezeichnete Wahl.

Herta Müller
Herta Müller:
Atemschaukel
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Hanser; Auflage: 3 (17. August 2009)
ISBN-10: 3446233911
ISBN-13: 978-3446233911