Man sagt heute oft, Gott habe Rußland verlassen, er sei tot, nicht mehr anwesend... die auf sich gestellten Menschen seien deswegen so hilflos, schüfen sich ihr Elend selbst...

Lese ich mit westlichen Vorstellungen Werke der russischen Gegenwartsliteratur, dann scheint sich der Eindruck zu bestätigen.

Lese ich dagegen genauer, überlasse ich mich den Büchern, dann erfahre ich von der Größe des Menschen und seinen Möglichkeiten, seinen Empfindungen und seinen Irrungen, aber auch den Chancen, dann höre ich von starken Charakteren in einer heillosen Welt, dann komme ich in Rußland richtig an...

Cornelie Müller-Gödecke