Sep 012005
 

ich möchte gerne die Ankündigung des Übersetzerpreises hier aufnehmen, denn hier wird deutlich Wert gelegt auf F.P.I.s grosse Arbeit:


Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung

Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung – Preisverleihung
Preisträger: Felix Philipp Ingold in Lesung und Gespräch mit Franz Josef Czernin, Urs Engeler und Michael Braun Laudatio: Adrian La Salvia; Musik: Urs Leimgruber, Klaus Treuheit; Ausstellung: Rolf Winnewisser, Begrüßung: Oberbürgermeister und erster Vorsitzender des Stiftungsrats der Kulturstiftung Erlangen Dr. Siegfried Balleis

Anlässlich des 25. Erlanger Poetenfests vergibt die Kulturstiftung Erlangen erstmals den „Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung“. Deutschland besitzt über tausend Literaturpreise (mit anderen Worten: es werden täglich ca. drei Literaturpreise vergeben), aber auffallend wenige Übersetzerpreise. Dieses Missverhältnis hat vor allem etwas mit dem fehlenden Bewusstsein dafür zu tun, dass der internationale Erfolg eines Buches wesentlich auch von der Qualität seiner Übersetzung abhängt. In dieser Situation hat sich das Erlanger Poetenfest die Förderung von Poesie als Übersetzung zur Aufgabe gemacht. Im Rahmen des 24. Erlanger Poetenfests wurden erstmals Autoren als Übersetzer eingeladen. Die Erlanger Übersetzerwerkstatt soll auch in Zukunft die Stellung der Übersetzer im Literaturbetrieb stärken. Mit dem Übersetzerpreis der Kulturstiftung will Erlangen einen wichtigen Markstein in der deutschen Literaturlandschaft setzen und ein Bewusstsein dafür schaffen, wie sehr gerade auch Übersetzungen die deutschsprachige Gegenwartsliteratur bereichern. Der Preisträger wird von den Autoren im Rahmen der zweimal jährlich abwechselnd in Erlangen und Wolfenbüttel tagenden „Übersetzergespräche“ ermittelt. Dieses bislang einzigartige Konzept verbürgt die herausragende sprachschöpferische Qualität der ausgezeichneten Arbeiten, unabhängig von der Nationalität der übersetzten Autoren. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird in diesem Jahr an den Schweizer Felix Philipp Ingold verliehen.
„Fremdsprache. Gedichte aus dem Deutschen” heißt ein früher Gedichtband von Felix Philipp Ingold – Ausdruck einer skeptischen Besonnenheit, der die eigene Sprache fremd und fragwürdig geworden ist. Darin finden sich Texte, für die Oskar Pastior den Begriff der „Vokalise” geprägt hat, wie z. B. eine „umgereimte” Übersetzung von Goethes „Über allen Wipfeln ist Ruh”: „Üb er’s Fallen! Schlittern / Übst du – / …” Ingolds Gedichte sind reich an Anagrammen und Palindromen, die als Formen der Übersetzung gedeutet werden können. „Üb er’s: Übersetzen” sind denn auch folgerichtig Gedankensplitter zum Übersetzen überschrieben. Was übersetzen? „Was übersetzen, wen; ich übersetze ausschließlich Autoren, die als schwierig gelten, und zuerst übersetze ich deren schwierigste Texte. Ich übersetze, was mir zu denken, zu schreiben gibt.” Wie übersetzen? Zu denken gibt Ingold die Machart von Texten. Übersetzen ist für ihn eine Form der dialogischen Auseinandersetzung mit anderen Schreibpraktiken, zugleich auch eine Möglichkeit der Herstellung von literarischer Identität durch Verrücken und Andersmachen von Zeichen. Übersetzen heißt nicht notwendig auch Verstehen: „die gelungene Übersetzung nimmt auch Unverstandenes in die Zielsprache mit”. Das hat zur Folge, dass falsche Übersetzungen trotzdem die besseren sein können: „selbst elementare Fehlleistungen […] können gelegentlich zu poetischen Phantasielösungen führen” (Ingold). So ist am Ende alles Übersetzen ein zyklischer Prozess der Transformation von Gegenwart in Bedeutung, die zum Ausgangspunkt neuer Text-Welt-Produktion wird. Die These vom Ende des Autors bringt auch den Unterschied zwischen Textproduktion und Übersetzung zum Verschwinden. Der Übersetzer ist – wie der Autor – nicht Urheber, sondern Leser, Förderer und Vermittler von Schreibprozessen.
Felix Philipp Ingold erhält am Donnerstag, 25. August 2005, den ersten „Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung”. Die Jury würdigt damit sein Engagement und Gesamtwerk als Übersetzer, Kultur-Vermittler und wegweisender Theoretiker.

Zu Ehren des Preisträgers Felix Philipp Ingold wird der Saxophonist Urs Leimgruber, im Zusammenspiel mit Klaus Treuheit, den Abend musikalisch begleiten.
Urs Leimgruber, 1952 in der Schweiz geboren, lebt seit 1988 in Paris. In den siebziger Jahren war er Mitbegründer der Fusiongruppe OM. Er kann auf eine langjährige Erfahrung im Bereich zeitgenössische Improvisation, Komposition, Jazz und Neue Musik zurückblicken, tritt in Clubs und auf großen internationalen Festivals in unterschiedlichen Formationen auf, u. a. mit Joelle Leander, Marilyn Crispell, Steve Lacy, Louis Sclavis, Tim Berne. Durch neue Spieltechniken und seinen erweiterten Saxophonklang hat er Bedeutendes zur Entwicklung seines Instruments beigetragen. Urs Leimgruber zählt zu den herausragendsten Interpreten zeitgenössischer improvisierter Musik in Europa.

Anschließender Empfang gesponsert von Framatome ANP, ein Unternehmen von AREVA und Siemens.

Donnerstag, 25. August, 20 Uhr, Orangerie im Schlossgarten