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Armenien – von Ossip Mandelstam

 
Armenien
Ossip Mandelstam
aus dem Russischen übertragen von Ralph Dutli

….
Du Staat des schreienden Gesteins –
Armenien, Armenien!
Rufst zu den Waffen die heiseren Berge –
Armenien, Armenien!

Ewig zu Asiens Silberposaunen hinfliegendes
Armenien, Armenien!
Persisches Sonnengeld freigebig hinschenkendes
Armenien, Armenien!

….

Ich werde dich nie wieder sehen,
Du kurzsichtiger Himmel Armeniens –
Keinen blinzelnden Blick mehr hinüber
Zum Reisezelt, dem Ararat …
Und nie mehr in der Bibliothek
Jener Töpfer-Autoren werde ich es öffnen:
Dieser herrlichen Erde hohlleibiges Buch,
Lehrbuch der ersten und ältesten Menschen.

Ossip Mandelstam: Mitternacht in Moskau: Die Moskauer Hefte. Gedichte 1930 – 1934

Gedichte 1930 – 1934
Aus dem Russischen übertragen und herausgegeben von Ralph Dutli
Taschenbuch: 247 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (1993)
Sprache: Deutsch, Russisch
ISBN-10: 3596291844
ISBN-13: 978-3596291847
Dez 272008
 
NKVD Photo

NKVD Photo

vor 70 Jahren verlöschte das Leben des großen Dichters Ossip Mandelstam im Fernen Osten Rußlands in einem Straflager.

Ein Dichter, der sein Leben lang gequält wurde, von der Macht, der Armut, der Dummheit. Und der uns doch mit seiner Dichtung ein großes Geschenk gemacht hat.

Olga Martynova würdigt ihn in der FR in einem bemerkenswerten Text: Eine Streichholzflamme im Wind.

Und Google AdSense liefert die passenden Anzeigen unter den Text: Transsib Sonderzug und Russland Visum beantragen

Da bleibt der Zorn im Hals stecken.

Apr 272012
 

100km nordöstlich von Moskau im Oblast Vladimir liegt die kleine Stadt Alexandrov. Größtes Ereignis in der Geschichte dieses Ortes war sicherlich die Entscheidung des Zaren Iwan des Schrecklichen, Alexandrov 1564 zu seiner Hauptstadt zu erheben. 17 Jahre regierte er hier, danach fiel die Stadt in die Bedeutungslosigkeit zurück, bis Mitte des 17. Jahrhunderts im alten Kreml ein Frauenkloster errichtet wurde und der Kreml weiter ausgebaut wurde.

Heute unterscheidet sich das kleine Städtchen nicht von anderen russischen Provinzstädtchen, dem gut erhaltenen und gepflegten Kreml liegt die wenig aufregende arme Kleinstadt gegenüber.  Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte hier Anastisia Svetaeva, die letzte Dichterin des Silbernen Zeitalters der russischen Lyrik. Ihre Schwester Marina Svetaeva besuchte sie in den Jahren 1015 bis 1917 oft und verbrachte hier viel Zeit. Hier empfing sie Ossip Mandelstam und verfaßte ihre Gedichte an Alexander Blok. Es waren die letzten glücklichen Jahre ihres Lebens, wie Lev Gotthelf, der Kurator, anmerkte.

Das Literatisch-Künstlerische Museum der Marina und Anastasia Svetaeva legt Zeugnis ab von dieser Zeit. Es ist untergebracht im Nachbarhaus des von den Schwestern und ihren Familien bewohnten Holzhauses. Beide Isba bilden eine trutzige Einheit vor den einfachen Wohnblöcken des 20. Jahrhunderts.

Das Museum wird gehütet und gepflegt von Enthusiasten, mit wenig Geld und wenig Ausstellungsmaterial (denn es gibt wenig authentisches Material) wurde ein „metaphorisches Museum“ errichtet, das einen Eindruck von der damaligen Lebenswelt gibt, mittels alter Photographien den Blick auf die Stadt rekonstruiert; sogar einen Bach gibt es in diesem Raum.

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In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhielt der Ort eine weitere, kulturgeschichtliche Bedeutung. Da der Ort 100 km von Moskau entfernt liegt, konnten sich hier viele Rückkehrer aus den Lagern des Stalinismus, die sich der Hauptstadt nur bis 100 km nähern durften, niederlassen. Über ihr, oft sehr armes, Leben kann man sich im Museum des 101. Kilometers, das in einem ehemaligen Marstall neben dem Svetaeva-Museum untergebracht ist, informieren.

Museum des 101. Kilometers, Alexandrov

Dieses Museum ist einer der wenigen Orte, an dem den Opfern der Gewaltherrschaft gedacht wird und ihr kulturelles Erbe gewürdigt wird.

Heute bietet es den Rahmen für Kammerkonzerte und kulturelle Veranstaltungen, die wiederum mit magerstem Budget, aber umso größerem Engagement ermöglicht werden.

Selten war ich so beeindruckt. Ich danke Lev Gotthelf und seinen Organisatoren für die Einladung nach Alexandrov und die Zeit, die wir dort verbringen konnten.

Mrz 072006
 

nicht nur auf kultur-banal.de, auch hier möchte ich auf den interessanten Aufsatz hinweisen:

C.W. Macke schreibt im Titel-Forum eine Begründung, keine Verteidigung der Lyrik und interessant ist natürlich auch der Exkurs zur russischen Poesie:

Bella Achmadulina hatte kein einziges Blatt Papier mit auf die Bühne gebracht. Sie rezitierte alle ihre Gedichte nur auswendig. Wort für Wort, Vers für Vers, Strophe für Strophe ohne eine einzige längere Pause.

Eine ähnlich atemberaubende Dichterlesung habe ich dann noch einmal mit ihrem Landsmann Josef Brodsky im Münchener Prinzregententheater erlebt. Auch er rezitierte jedes seiner Lang-Gedichte ohne ein einziges Blatt Papier als Stütze. Auch Ossip Mandelstamm, Anna Achmatova oder die Zwetajewa sollen, so berichten es Zeitzeugen, ihre Gedichte immer nur auswendig, nie vom Blatt ablesend vorgetragen haben. Warum eigentlich hat das Memorieren von Gedichten in der russischen Tradition einen so hohen Stellenwert? Bücher kann man verbieten oder verbrennen, Papiere kann man beschlagnahmen, aber gegen Gedanken und auswendig gelernte Gedichte ist jeder Nachrichtendienst machtlos. Das ist nicht das schlechteste Argument, literarische Texte und Gedichte im Besonderen zu memorieren

Aug 082004
 
ArtGrak Verlag

ArtGrak Verlag

beim Stöbern im Buchgeschäft an der Mashtots-Strasse in Erivan bin ich auf eine Literaturzeitschrift gestossen und habe diese interessiert durchgeblättert: ArtGrak

Nein, verstehen kann ich diese Sprache nicht und diese Schrift, wo Lettern wie Zangen und Worte wie Spangen aussehen laut O. Mandelstam, kann ich auch nicht lesen.

Aber ich fand doch irgendwie heraus, daß diese Zeitschrift die armenische Übersetzung des Meisterwerkes „Moskau-Petuschki“ enthielt und daneben noch weitere Perlen der zeitgenössischen Literatur: Paul Celan, Coelho, Handke (na ja), ein interessantes Unterfangen…

auf www.artgrak.am findet sich der erste Teil der Übersetzung, Links führen dann zu den weiteren Kapiteln..

Ach ja, und wer die Schrift nicht angezeigt bekommt, muss erstmal den armenian language support laden und installieren, danach geht es, jedenfalls unter Windows..

nun kann ich also dank der Veröffentlichung dieser Zeitschrift mein Puschkin-Projekt um eine sechste Sprache erweitern

Okt 132003
 

anders kann ich es nicht nennen, was sich der DuMont-Verlag auf der Seite www.junge-russen.de (inzwischen nicht mehr online) leistet:

Auf der Seite im billigsten BILD-Derivat und auch auf dem gleichgestalteten Prospekt reiht sich eine groteske Dummheit an die andere:

dumm, nur dumm

dumm, nur dumm

Ich find es langsam nicht mehr witzig, das kyrillische Zeichen „JA“ als „R“ einzusetzen und damit zu kokettieren. Aber wenn man sogar angeblich russischen Text wiedergibt und da das „R“ als „JA“ ausgibt und statt des „JA“ ein „JOT“, nein, dann frage ich mich, wie tief ist dieser Verlag gesunken und wo wird das enden?

Ein Verlag, der seinen Hausdichter Sorokin zu einem SFJAFKIP denunziert, oder wie soll man das lesen?

Speck

Speck

irgendwann ist niemand mehr da, der lesen kann und der noch lesen will, weil wie gesagt, rundherum biedert man sich an die Dummheit an.

und Dummheit ist immer der unverläßlichste Partner

und dann noch dieses:

Laß von Dir hören, Russland!
Herhören! Es sprechen die Dichter: die Akmeistin Anna Achmatova, der große Lev Tolstoj, der Symbolist Aleksandr Blok, der Futurist Vladimir Majakovskij, der hellwache Osip Mandeltam, der Sohn eines professionellen Klageweibes Nikolaj Kljuev und acht weitere Stimmen der modernen russischen Lyrik. …

ja diese Leute, selbst Mandelstam ohne s, sind modern, so modern wie die jungen Russen…

ich halte diese kokette Dummheit einfach nicht mehr aus, die alles vereinnahmt und unter einen dummbräsigen Witz zwingt.

Gottseidank überlebt die Kunst diese unsäglichen Dumpfbeutel ungerührt, im Gegensatz zu mir, mir schwillt der Kamm, ich habe leider langsam keine Gelassenheit mehr

Aug 142003
 

Eine Auslese aus der Sammlung Felix Philipp Ingold

Flyer der Ausstellung (PDF)

Eine Ausstellung der Kantonsbibliothek St.Gallen
in Zusammenarbeit mit der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek und der Plakatsammlung des Museums für Gestaltung Zürich, 20. August bis 13. September 2003, Kantonsbibliothek St.Gallen


Die Ausstellung Bücher der russischen Moderne zeigt literarische Werke aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts einer der sowohl politisch als auch kulturell turbulentesten Phasen der russischen Geschichte. Sie sind überwiegend in Moskau und Petersburg, einige auch betreut von exilrussischen Verlagen in Berlin und München, London, Paris, Prag und Wien erschienen. Die Ausstellung wurde von Felix Philipp Ingold mit der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek in Saarbrücken zusammengestellt. Für St.Gallen wird sie durch historische Plakate aus der Plakatsammlung des Museums für Gestaltung Zürich ergänzt, die zum Teil erstmals öffentlich gezeigt werden. Die Sammlung Ingold ist als persönliches Arbeitsinstrument im Lauf vieler Jahre einer intensiven Lehr- und Forschungstätigkeit im Bereich der russischen Kultur entstanden. Sie spiegelt die Auseinandersetzung des feinsinnigen Wissenschaftlers mit Autoren und Werken der russischen Moderne und umfasst eine Reihe von gezielt gesuchten oder zufällig entdeckten Kostbarkeiten. Diese haben zum Teil als Schlüsselwerke die inzwischen um ein Jahrhundert zurückliegende Epoche des modernen Aufbruchs in ganz Europa geprägt.

Felix Philipp Ingold, Dr. phil., ist seit 1985 Ordinarius für Kultur- und Sozialgeschichte Russlands an der Universität St.Gallen. Da- neben ist er als Übersetzer der bedeutenden russischen Dichter der Moderne (Zwetajewa, Mandelstam, Brodsky) sowie als externer Kulturberichterstatter im Ressort Osteuropa/ Russland der Neuen Zürcher Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Basler Zeitung einem grösseren Publikum bekannt. Für sein Schaffen wurde Ingold mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Petrarca-Preis für Übersetzung (Perugia), dem Grossen Berner Literaturpreis und zuletzt mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik, den das Bundes kanzleramt der Republik Österreich vergibt; von der Schweizerischen Schillerstiftung wurde Ingolds bisher letztes Werk, Jeder Zeit andere Gedichte, unlängst als „Buch des Jahres 2003“ ausgezeichnet.

Als Bilanz seiner Forschungen zur russischen Moderne liegt die fulminante Abhandlung Der grosse Bruch: Russland im Epochenjahr 1913 (München 2000) vor