Feb 102003
 
Bruno Schulz

Bruno Schulz

Das multikulturelle Erbe Galiziens wird wiederentdeckt.

Martin Sander hatte in einem Radio-Feature darüber berichtet. Dieses Feature wird auf einer Lemberger Webseite wiedergegeben. Er führt in die multikulturelle und multiethnische Geschichte der Ukraine ein, die bis heute noch nicht wahrgenommen wird.

Und der Artikel erklärt, warum es in Galizien auch heute noch Antisemitismus gibt und er berichtet über den tragischen Tod Bruno Schulz‘ 1942 und die Geschichte seiner erst kürzlich wiedergefundenen und kurz darauf gestohlenen Wandmalereien in Drohobycz.

Der Original-Aufsatz:
Ein Ukrainer ist nicht immer ein Ukrainer

Dez 122001
 

Martin Pollack hat einen interessanten Band über Galizien zusammengestellt:

Martin Pollack

Galizien. Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina

Ein Band, in dem er die untergegangene Welt am Rande Zentraleuropas in das Licht rückt. Kenntnisreich und interessant.
Die Welt des Bruno Schulz oder des Joseph Roth….

Leider ist im ganzen Buch keine Karte zu finden, die dem nicht so beschlagenen Leser die Orientierung erleichtert.

Martin Pollack: Galizien: Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina

Taschenbuch: 236 Seiten

Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: Neuauflage. (7. April 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3458344470

ISBN-13: 978-3458344476

Jan 142001
 

Bruno Schulz

Bruno Schulz

Bruno Schulz (1892-1942), ein Zeichenlehrer aus der kleinen, damals polnischen Stadt Drohobych, wurde bei uns im Westen bekannt durch seine Erzählungen Die Zimtläden, die ihn in eine Reihe neben Franz Kafka stellten. Schulz, der auch Kafka ins Polnische übersetzte, schrieb eine Prosa, deren surrealistische Inhalte sich ins Gedächtnis brennen.

Ich las diese Erzählungen vor fast 30 Jahren, wahrscheinlich noch während meiner Schulzeit.

Die Erinnerung an diese Traumbilder, vermischt mit den Romanen und Erzählungen anderer galizischer Schriftsteller wie Joseph Roth
oder Scholem Aleichem, zusammen mit den Fotoreportagen Roman Vishniacs aus den vom Holocaust bedrohten jüdischen Stedtl, formte in mir ein Bild einer untergegangenen Welt: Galizien.

Und nun war ich in Galizien, einer Region, die es nicht mehr gibt, politisch aufgeteilt zwischen Polen und der Ukraine.

Es gibt keine galizische Bevölkerung mehr, die Mitglieder der Bourgeoisie enteignet oder emigriert, die Juden wurden umgebracht, die Polen deportiert nach Polen, in ehemaligen Galizien leben nunmehr fast nur noch Ukrainer, eine christliche agrarisch geprägte Bevölkerung. Sie leben in den großen Häusern der Städte Lviv oder Brody, die Synagogen in Drogobych werden als Wohngebäude genutzt oder stehen leer, verfallen und werden von der Bevölkerung als Toiletten benutzt, die Menschen wissen wenig oder nichts von der vergangenen Kultur und doch weht ab und an die Erinnerung durch.

Ich war also in Galizien. Fühlte mich wie in einem großen Szenario des Déja vu. Literatur kann Heimat geben oder einen festen Boden, vieles sprach zu mir und die absurden Situationen im Drogobycher Hotel überraschten mich nicht. Das mußte so sein.