100km nordöstlich von Moskau im Oblast Vladimir liegt die kleine Stadt Alexandrov. Größtes Ereignis in der Geschichte dieses Ortes war sicherlich die Entscheidung des Zaren Iwan des Schrecklichen, Alexandrov 1564 zu seiner Hauptstadt zu erheben. 17 Jahre regierte er hier, danach fiel die Stadt in die Bedeutungslosigkeit zurück, bis Mitte des 17. Jahrhunderts im alten Kreml ein Frauenkloster errichtet wurde und der Kreml weiter ausgebaut wurde.
Heute unterscheidet sich das kleine Städtchen nicht von anderen russischen Provinzstädtchen, dem gut erhaltenen und gepflegten Kreml liegt die wenig aufregende arme Kleinstadt gegenüber. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte hier Anastisia Svetaeva, die letzte Dichterin des Silbernen Zeitalters der russischen Lyrik. Ihre Schwester Marina Svetaeva besuchte sie in den Jahren 1015 bis 1917 oft und verbrachte hier viel Zeit. Hier empfing sie Ossip Mandelstam und verfaßte ihre Gedichte an Alexander Blok. Es waren die letzten glücklichen Jahre ihres Lebens, wie Lev Gotthelf, der Kurator, anmerkte.
Das Literatisch-Künstlerische Museum der Marina und Anastasia Svetaeva legt Zeugnis ab von dieser Zeit. Es ist untergebracht im Nachbarhaus des von den Schwestern und ihren Familien bewohnten Holzhauses. Beide Isba bilden eine trutzige Einheit vor den einfachen Wohnblöcken des 20. Jahrhunderts.
Das Museum wird gehütet und gepflegt von Enthusiasten, mit wenig Geld und wenig Ausstellungsmaterial (denn es gibt wenig authentisches Material) wurde ein “metaphorisches Museum” errichtet, das einen Eindruck von der damaligen Lebenswelt gibt, mittels alter Photographien den Blick auf die Stadt rekonstruiert; sogar einen Bach gibt es in diesem Raum.










In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhielt der Ort eine weitere, kulturgeschichtliche Bedeutung. Da der Ort 100 km von Moskau entfernt liegt, konnten sich hier viele Rückkehrer aus den Lagern des Stalinismus, die sich der Hauptstadt nur bis 100 km nähern durften, niederlassen. Über ihr, oft sehr armes, Leben kann man sich im Museum des 101. Kilometers, das in einem ehemaligen Marstall neben dem Svetaeva-Museum untergebracht ist, informieren.

Dieses Museum ist einer der wenigen Orte, an dem den Opfern der Gewaltherrschaft gedacht wird und ihr kulturelles Erbe gewürdigt wird.
Heute bietet es den Rahmen für Kammerkonzerte und kulturelle Veranstaltungen, die wiederum mit magerstem Budget, aber umso größerem Engagement ermöglicht werden.
Selten war ich so beeindruckt. Ich danke Lev Gotthelf und seinen Organisatoren für die Einladung nach Alexandrov und die Zeit, die wir dort verbringen konnten.

Heute ist der Welttag des Buches und die Aktion Lesefreunde des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen verteilte im Vorgang jeweils 30 Bücher an 33.333 Lesefreunde. Einer dieser Lesefreunde bin ich.
einen ganz besonderen Zugang zur russischen Lyrik bietet uns Felix Philipp Ingold in der von ihm herausgegebenen (und übersetzten) Anthologie Als Gruß zu lesen. Russische Lyrik von 2000 bis 1800.
Gut, ich hatte schon die
Dann die Erzählung "Der Kaukasus": Eine Frau betrügt ihren Mann. Der Erzähler ist ihr Liebhaber. Sie reisen an die Schwarzmeerküste, suchen einen kleinen Ort und verbringen gemeinsame Tage. Ruhig, zufrieden, ohne Frage. Ihr Mann suchte sie in Gelendshik, in Gragra, in Sotschi. Er erschießt sich. 
Dann finde ich zu Hans Joachim Schädlich's Band "Kokoschkins Reise" und auch dort begegnet mir Iwan Bunin. Der Protagonist, Herr Kokoschkin, kennt ihn aus der Zeit des Exils in Odessa, 1920.