Illustration von Adrienne Segur

habe ich endlich gefunden. Ich hatte eine vage Erinnerung an ein großformatiges Märchenbuch, mit wunderschönen ganzseitigen Bildern, das Wort Tiermärchen kam im Titel vor.

Ich meinte, der Titel sei "Russische Tiermärchen" gewesen und über 10 Jahre habe ich nach diesem Buch gesucht. In der Verwandtschaft fand es sich nicht, obwohl fast alle Bücher ja weiterwanderten, der Bruder hatte es nicht und konnte sich auch nicht erinnern.
Da ich glaubte, es von einer Großtante aus der DDR geschenkt bekommen zu haben, fragte ich alle Bekannten aus der ehemaligen DDR danach, ich fragte in Russland meine Freunde, aber niemand kannte es.

Und dann fand ich Knaurs Tiermärchen. Mit Märchen der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen, japanischen und eben auch russischen Märchen.

Und mit den wunderschönen Illustrationen der französischen Künstlerin Adrienne Ségur.

Das war mein Buch! Nun habe ich es mir für sehr viel Geld antiquarisch gekauft und bin richtig glücklich. Es ist aufregend, die Illustrationen mit der eigenen Erinnerung zu konfrontieren. Welche Bilder erscheinen mir komplett neu, welche erkenne ich wieder, welche waren "immer da", sind aber doch ganz anders…

Ich hätte nur eines nicht tun dürfen:

Nachdem ich den tatsächlichen Titel gefunden hatte und den Namen der Illustratorin kannte, fand ich im Web ganze Bildergalerien mit ihren Ilustrationen. Das nahm mir doch ein wenig die Freude beim ersten Durchschauen des Buches, ich habe mich selbst um einige Überraschungen und um Wiedererkennensfreude gebracht. Das geschieht halt in der Ungeduld.

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichtsmöchte man den Titel von Eugen Ruges Debut-Roman “In Zeiten des abnehmenden Lichts” weiterspinnen.

Mehrere Generationen einer Familie, vom überzeugten Kommunisten bis zum republikflüchtenden und auch ansonsten weltflüchtenden Enkel. Die erste Generation in diesem Buch (die Großeltern) gehen ob ihrer Überzeugung ins Exil nach Mexiko und zehren ihr ganzes Leben davon, einer ihrer zwei Söhne geht nach Moskau, wird ins sowjetische Lager verschleppt, heiratet eine Russin, kehrt mit ihr nach Ostdeutschland zurück, der 2. Bruder überlebt das Lager nicht, der rückkehrende Sohn baut die DDR mit auf und lebt ganz gut in ihr, sein Sohn (3. Generation) verschließt sich alldem und verläßt die DDR, verläßt später auch die vereinigte BRD und landet krebskrank wieder in Mexiko.

Ein Ring schließt sich, die großen Ideen hingegen sind auf der Strecke geblieben.

Ich möchte jetzt nicht den Standardsatz “Ich habe das Buch gerne gelesen” ablassen, aber es liest sich gut. Nach meinem Dafürhalten hat es den Deutschen Buchpreis zu Recht gewonnen, der Autor ist ein würdiger Preisträger.

Die Kritik etlicher Leser kann ich nicht teilen, daß man den Geruch des Treppenhauses nicht in die Nase bekommt, zum Beispiel. Auch wenn ich nicht in der DDR aufgewachsen bin, ich kann mich an sehr ähnliche Empfindungen in westdeutschen Mehrfamilienhäuser der 60er Jahre mit den kleinsteinigen Treppenstufen und dem Samstagsputzgeruch sehr gut erinnern. Wird nicht sehr viel anders gewirkt haben.

Nun, so wie die große kommunistische Idee durch den Alltag im Leben der Protagonisten immer stumpfer wurde, die DDR immer mehr verkrustete, so dunkel es in der DDR zum Schluß war – ist es seitdem heller geworden? Ich bin mir nicht sicher.

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Rowohlt; Auflage: 7 (1. September 2011)
ISBN-10: 3498057863 / ISBN-13: 978-3498057862

hatte ich über Alias oder Das wahre Leben geschrieben und es ist selten, daß ich negativ über eine Arbeit von Felix Philipp Ingold urteile.

Warum mag ich das Buch nicht? Darüber habe ich lange nachgedacht. Es ist nicht das Buch, es ist das Leben, es ist die Geschichte, die das Leben der Menschen so bestimmt, so herumwirft, das die Menschen so grausam behandelt.

Das mag ich  nicht.

Freitag, 4. November 2011:
Lesung im Anderen Buchladen (Weyertal 32, Köln), 20 Uhr

Felix Philipp Ingold: ALEPHBET (Poesie)

Samstag, 5. November 2011:
Tagung  „Schrift und Psychoanalyse“ (Köln, Kunstsalon Brühler Straße 11-13)

dortselbst: 15 Uhr bis 16 Uhr 30:

Felix Philipp Ingold: Das Wort in der Dichtung: Klangleib und Attraktor

Walter Kempowski: Mark und BeinDieses Jahr ist anscheinend mein Jahr der Ostpreußen-Erinnerungs-Vergegenwärtigungs-Literatur. Meine Aufmerksamkeit fiel so auch auf “Mark und Bein” von Walter Kempowski.

Vom Autor beiläufig “eine Episode” genannt, ist mir dieses Werk ein Ärgernis. Kempowski, dessen Spiel mit Sprache, dessen Detailversessenheit ich schätze (schätzte), gibt hier nur hohles, anbiederndes Geschwätz von sich.

Die Figuren sind Pappkameraden, Hohlformen, Karikaturen, die Handlung ist äußerst banal und oberflächlich.

Er plappert Vorurteile gegen die Polen daher, will er diese “vorführen” oder bestätigen? Die PR-Dame frustriert mit Kettchen und Libidoproblemen, der Protagonist ein Jammerlappen, die Polen hilflos, kindlich, lächerlich oder aufdringlich, Autodiebe oder korrupte Polizisten .. was soll das?

Durch Mark und Bein geht dieses Buch nun wirklich nicht.

Walter Kempowski: Mark und Bein
Eine Episode
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
ISBN-10: 3813519791
ISBN-13: 978-3813519792
© 1997 - 2012 Connie Müller-Gödecke Kontakt Suffusion theme by Sayontan Sinha