Suchergebnisse : Koeppen

Aug 012012
 

Es fügt sich. Vieles. Glücklich.

Ende Juni hörte ich im Büchermarkt des Deutschlandfunks einen Bericht über die Literaturzeitschrift Flandziu, benannt nach einem Kunstwort Koeppens, herausgegeben von dem Literaturwissenschaftler Jürgen Klein. Der Bericht fesselte mich, ich ging auf die Suche im Netz, fand einen Bericht im Webmoritz, dem Greifswalder Studentenmagazin, und kam dann auf die Seite des Verlages Shoeboxhouse.

Flandziu . Halbjahresblätter für Literatur der ModerneIn diesem Verlag erscheinen  Flandziu – Halbjahresblätter für Literatur der Moderne. Das Programm der Zeitschrift gefiel mir so sehr, daß ich ein Abonnement bestellte. Das erste, aktuelle Heft traf schnell ein; das Thema „Deutsche Literatur 1945 – 1960“ ist für mich immer aktuell, prägte diese Epoche doch meine Lese-Sozialisation, wenn ich das so gestellt ausdrücke, denn in ihr wuchs ich auf.

Eine große Freude dann aber: an meinem Geburtstag erreichte mich ein Willkommensbrief des Herausgebers der Halbjahresschrift, Jürgen Klein, mit einer Begrüßungsgabe: ein Heft aus dem Jahrgang 2009: Alexandria und die Literatur der Moderne.

Wie immer alles zusammenkommt! Lawrence Durrells Alexandria-Quartett gehört zu meinen zehn unabdingbaren Büchern, und nun ein ganzer Band über diese Stadt in der Literatur, im Passepartout dann ein Aufsatz Kleins: „Mediterrane Welt und der Orient: Metaphysik und Moderne in Lawrence Durrells Justine„.

Dieser Band wird mit einem Podcast auf der lesenswerten Seite Elektroschall gewürdigt, auch dorthin mal schauen lohnt sich!

Der Regen kann bleiben. Ich habe genug zu lesen. Danke!

PS: Die Links nocheinmal aufgelistet:

Im Deutschlandfunk

Webmoritz: Jeder müsste Koeppens Bücher lesen

Michael Augustins Podcast auf Elektroschall.

Jun 182006
 

Geburtstag ist heute.

Einer der großen Rätselhaften. Soviele wie ihn heute loben, haben ihn sicherlich gar nicht gelesen. Literaturen brachte ein Heft heraus, er als Schwerpunkt.

So bekam ich nun ein Psychogramm geliefert, das dem Bild, das ich von ihm hatte, das er der Welt vermittelte, widersprach.

Als junge Studentin verschlang ich seine (wenigen) Bücher. Schrieb sicherlich sehr kluge Arbeiten über sein Werk. Und weil ich irgendwo erfahren hatte, daß er zwar das gute Leben liebe, aber sehr karg lebe, schickte ich ihm jedes Jahr zu seinem Geburtstag 100 Mark. Mindestens 10 Jahre lang. Er möge davon gut essen gehen.
Nie hat er sich bedankt.

Das war mir gleich.

Ich und die Dichter.

Ein anderer literarischer Held meiner Studienzeit, Marek Hlasko, liegt ja auf dem Wiesbadener Südfriedhof. Immer wenn ich unser Familiengrab besuchen wollte, ging ich zu seinem, brachte ihm Blumen.

Nov 172013
 

Felix Philipp IngoldSchon so lange geplant und gewünscht, nun wird das Projekt Ingold-Gödecke endlich wahr.

Vor 11 Jahren, an FPI’s 60. Geburtstag schrieb HE Gödecke ihm eine Komposition. Daraus entstand der immer wieder wachgehaltene Wunsch, die Texte und die Musik zusammenzubringen.

Viele viele Gründe dafür, daß es nicht wahr wurde. Zeit, Gesundheit, Anderes…

Aber jetzt endlich können wir es wahr machen.

Felix Philipp Ingold kommt in unseren Norden und wird die Mittagswut lesen.


Montag, 25.11.2013, 20:00 Uhr,  Schnittke-Akademie, Hamburg-Altona, Max-Brauer-Allee 24
Mittwoch, 27.11.2013, 20:00 Uhr, Koeppenhaus, Greifswald, Bahnhofstrasse 4/5


Poesie deckt auf, was noch nicht gewußt in uns rumort. Interpretationen geraten mehrdeutig. So gebaut, geschieht ein Verstehen als genaue Ahnung. Auf diesem Grat bewegt sich  konzentriert die Poesie von Felix Pilipp Ingold. Nun also nicht wundern, wenn diese Poesie zunächst unverständlich riecht; später erscheint es anders, mit Brandflecken im Kopf. Aber eine Betriebsanleitung für Einsichten gibt es nicht.

Die persönliche Lesung von Felix Philipp Ingold wird aufgefangen in Musik, komponiert von Heinz-Erich Gödecke und erspielt vom Ensemble 7: Gesang, Klavier, Percussion, Posaune.

Der Text wird ausgestellt. Musik  steigert das Hineinhören. Text wird Musik und bleibt doch Text:  Text-Musik, keine Vertonung. Text-Werterhaltung ist das Ziel.

Verschiedenste Melodiefetzen, Geräusche, Tropfen, Rost, Sand-Knirschen, Elektronik, Text und Stille erzeugen eine offene durchsichtige Klangsphäre; Verhalten und konträr expressiv. Dazu Stand-Videos. Das Ganze bildet ein Ohren- und Augenerlebnis.

Ensemble 7: Heinz-Erich Gödecke, Victoria Mun, Björn Lücker, Hans  Schüttler / Posaune, Gesang, Percussion, Posaune

      Hören auf das was nie
      spricht. Achtsam
      liegt sich´s schwerer. Wer
      da wacht am einen Pol
      der Lust. Kein
      Suhlen nicht. Licht ist
      das Ziel. Da. Es
      harrt.
      ........Was löscht die Mittagswut. ...
      ..... die Sille ist was sich gehört.               F. P. Ingold
Sep 222013
 

Reich-Ranicki: Notwendige GeschichtenMarcel Reich-Ranicki lebt nicht mehr.

Er hat mich Lesen gelehrt. Nicht die Technik, das Entziffern der Buchstaben, nein das Lesen der Worte. Literatur lehrte er mich, nicht meine Lehrer. Eines der ersten Bücher, das ich mir von meinem Taschengeld gekauft habe, war „Notwendige Geschichten 1933-1945“.  Piper, 1967

In dieser Anthologie, heute noch eingeschlagen im Folien-Umschlag von damals, versammelt er jahresweise Geschichten aus der dunklen Zeit Deutschlands, Geschichten von Autoren der verschiedensten Standpunkte, Geschichten, die zu lesen notwendig war und ist. Um die Zeit verstehen zu können, das Leben verstehen zu können.

Viele Geschichten aus diesem Buch sind mir noch gegenwärtig, viele vergessen. In einem alten SPIEGEL-Artikel von 1967 bespricht einer der Autoren, Albrecht Goes, diese Sammlung. Wie schrieb man damals? fragt er.

„Notwendige Geschichten“ — ein gutes Buch. Freilich, bis zu Hölderlins „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ werde ich mich bei seiner Betrachtung nicht versteigen; jenes Wort ist ja auch keine Maxime, sondern der Atemzug eines Ertrinkenden. Soll ich sagen: es sei etwas wie ein Beispiel, dieses Buch? Oder: es sei eine Warnung? Eine Warnung, gewiß. Aber wer will sich schon durch Bücher warnen lassen?

Reich-Ranicki war mein Cicerone in die Literatur, lange bevor er als Person auf den Bildschirmen erschien, lange bevor es das Literarische Quartett gab. Ich las die von ihm empfohlenen Autoren, hörte seine Beiträge im Hessischen Rundfunk, las die Frankfurter Anthologie der FAZ und wenn ich heute darüber nachdenke, kommt mir fast der Gedanke, er habe mich zum Studium der Germanistik, der Literaturwissenschaft, gebracht, nicht meine Mutter mit ihrem Bücherschrank voller Klassiker und den ehemals verbotenen Büchern in der 2. Reihe darin.

Durch ihn kam ich von Stefan Zweig zu Arnold Zweig, der lag mir eher.
Von Thomas Mann zu Heinrich Mann, der paßte mir auch besser.
Sicherlich lenkte er mich zu Koeppen.
Trotz seiner Antipathie Musil gegenüber quälte ich mich durch den Mann ohne Eigenschaften, dem Studium geschuldet. Aber daß ich den M.o.E. nicht mochte, war sicherlich nicht zu 100 Prozent mein eigenes Urteil.

Das Literarische Quartett schaute ich mir nicht so gerne an, ich wollte lieber in Ruhe lesen, Primär- oder Sekundär-Literatur. Ich war ja auch nicht die Zielgruppe seiner Sendung. Ich war ja schon überzeugt.

Jetzt habe ich etliche Sendungen im TV gesehen, die zu seinem Nachruf wieder aus den Archiven geholt wurden. Und zu der Vertrautheit, die ich ihm gegenüber empfand, kam die Freude über seine Lebhaftigkeit, seine Direktheit. Wo andere in Tränen ausbrechen oder in Weinerlichkeit versinken, ging er mit „Na Ja“ zum nächsten Thema über, statt Betroffenheit forderte er von allen, die er erreichte, eigenständiges Denken und Urteilen.

Sein letztes öffentliches Urteil war wohl die Nicht-Annahme des Fernsehpreises vor einigen Jahren, eine spontane Entscheidung, die aus dem Entsetzen über die unglaubliche Banalität der Veranstaltung entstand und die er standhaft durchhielt.

Ich habe durch ihn Urteilen / Beurteilen gelernt, ich habe von ihm Literatur / Welten geschenkt bekommen, er hat meinen Lebensweg sicherlich mitbeeinflußt.

Mein ganzes Lese-Leben lang war er da.  Nun nicht mehr.

Jan 282012
 

nein, nicht über Achim, über Anklam. Die Stadt kommt in Mode, einerseits beim Anklam-Bashing, andererseits in der Literatur.

Mich interessiert das, denn ich bin ja nun in diese Gegend gezogen und werde auch immer wieder mit den Urteilen und Vor-Urteilen über diese Gegend konfrontiert.

Als erstes Buch kam mir Judith Zanders Buch "Dinge die wir heute sagten" unter die Augen. In meinem OVP-Blog Gribowski habe ich das Buch als provinzielles Lese-Abenteuer bezeichnet, mich beeindruckte ihre klare Sprache und ihre Gescheitheit (die sie bei einer Lesung im Greifswalder Koeppenhaus eindrücklich unter Beweis stellte).

Stark beeindruckt hat mich Uwe Timms Freitisch. Denn in dieser Novelle werden zwei Welten, Weltwahrnehmungen miteinander  konfrontiert, in denen ich selbst lebe: ein nach Anklam gezogener, ehemals westdeutscher, Lehrer trifft auf einen Studienkameraden, Investor im armen Osten. Darüber schrieb ich, ebenfalls bei Gribowski:

Uwe Timm verbindet mit dieser Novelle, deren Falke eine Mülldeponie ist, die vielleicht das Idyll des einen bedroht und den Gewinn des anderen steigern wird, mehrere Ebenen meines Lebens. Auch ich habe über die Welt diskutiert in meinem Studium, wenn auch 10 Jahre später als die beiden Protagonisten, auch ich habe mich durch Schmidts Texte gequält, habe Bargfeld aufgesucht (allerdings nach seinem Tode), und ich habe meinen Lebensmittelpunkt hier nach OVP verlegt.

Zu diesem Buch kann ich nur raten.

Judith Scharlansky: Der Hals der GiraffeNun kommt das dritte Buch über Anklam ins Spiel: Judith Scharlanskys Bildungsroman Der Hals der Giraffe. Ein zwiespältiges Buch, sehr gelehrt, sehr hermetisch. Es kreist um die innere Verfassung einer seelisch erstarrten Biologie-Lehrerin, deren Welt, wie das eben so in der Literatur und im Leben ist, zerbröckelt, dern Horizont sich aber nicht erweitert. Ich folgte etlichen Rundfunk-Interviews, bevor ich das Buch kaufte, und ich muss sagen, an den Gesprächen der klugen Autorin hatte ich mehr Freude als an dem Buch selbst. MIr erscheint die Protagonistin doch etwas zu erstarrt.
Und ich frage mich, ob das Buch ebensolch Anklang gefunden hätte, spielte es nicht in Anklam sondern meinetwegen in Butzbach? Der Feuilleton ist ja nunmal, wie wir wissen, sehr ostnegativ gepolt ;=)

Judith Zander:
Dinge, die wir heute sagten: Roman
Taschenbuch: 480 Seiten
ISBN-10: 3423247940
Uwe Timm: Freitisch
Novelle
Gebundene Ausgabe: 135 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch;
ISBN-10: 3462043188
ISBN-13: 978-3462043181
Judith Scharlansky:
Der Hals der Giraffe.
Bildungsroman
Verlag: Suhrkamp Verlag;
Auflage: 6 (12. September 2011)
ISBN-10: 3518421778
ISBN-13: 978-3518421772
Jan 132009
 

Wolfgang Koeppenhat den Tod überwunden. Tag für Tag, fünfzig Jahre lang. Er wehrt sich nicht mehr. Er haßt still vor sich hin. Wenn er Glück hatte, kam ein Krieg.

So schrieb Wolfgang Koeppen.

Irgendwann hörten wir diesen Satz im Radio: „wer zur Arbeit geht, hat den Tod überwunden.“ Er wurde zu einem geflügelten Wort. Aber wir wußten nicht, daß er von Koeppen stammte.


Wolfgang Koeppen


Nun hab ich mir die Prosa aus dem Nachlaß „Auf dem Phantasieroß“ vorgenommen. Und lese mich durch. Es ist schwer. Vieles ist zu Recht nicht veröffentlicht.

Aber ein solcher Band hat ja vielleicht eine andere Aufgabe: nicht Lektüre allein, sondern Dokumentation eines Schreiber-Lebens….

Und dann komme ich zu Morgenrot / Beginn einer Erzählung. Und da steht dieser Satz.

Koeppen überrascht mich immer wieder.

Er ist immer da.

Siehe auch Glückliche Fügung in Greifswald


Wolfgang Koeppen: Auf dem Phantasieroß
Prosa aus dem Nachlaß
Herausgegeben von Alfred Estermann
Suhrkamp Verlag
Erschienen: 25.06.2000
779 Seiten, Leinen
ISBN 978-3-518-41153-7
Dez 122008
 

Wolfgang Koeppen ist in Greifswald geboren.
Er gehört zu den Dichtern, die mein Leben begleiten.
Als Studentin nahm ich sein Werk an, las jedes erhältliche Buch von ihm, verehrte ihn und [link2post id=“156″]schickte ihm zum Geburtstag[/link2post] jedes Jahr nach München einen Geldschein, damit er fein essen ginge.

Bruno Schulz

Bruno Schulz

Bruno Schulz lebte in Drohobycz. Und starb dort. Wurde ermordet von der deutschen Besatzungsmacht.
Sein Werk wird immer wieder „am Leben gehalten“, von Menschen, die davon begeistert sind. Er ist der „polnische Kafka“ und er darf nicht vergessen werden.
Was schwierig ist. Ein polnischer Autor, dessen Heimatstadt heute zur Ukraine gehört. Die Ukraine nimmt ihn nicht so einfach an, in Polen wird sein Andenken gewahrt.

So empfinde ich die Ausstellung „Bruno Schulz – Mythisierung der Wirklichkeit“ im Koeppenhaus in Greifswald als glückliche Fügung.

Im Herbst dieses Jahres kamen wir immer wieder nach Vorpommern und nun haben wir uns 15 km südlich von Greifswald ein altes Haus gekauft.
Ich werde mich dort sehr heimisch fühlen.
Meine Dichter sind schon da.

Die Ausstellung geht am 3.01.09 zu Ende.

Die Ankündigung der Ausstellung im Greifswalder Veranstaltungskalender kulturmodul:

Koeppenhaus – Literaturzentrum
„Bruno Schulz – Mythisierung der Wirklichkeit“
Eine Ausstellung des Polnischen Instituts Düsseldorf und des Adam-Mickiewicz-Literaturmuseums Warschau

Im Rahmen der polnischen Kulturtage polenmARkT 08

Bruno Schulz gehört zu den wichtigsten polnischen Schriftstellern. 1892 wurde er als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie im galizischen Drohobycz geboren. Der doppelbegabte Künstler hat die Stadt nur zeitweise verlassen können. Gesundheitliche Probleme und die schlechte finanzielle Situation zwangen ihn, sein Studium abzubrechen und eine Stelle als Zeichenlehrer am Gymnasium seiner Heimatstadt anzunehmen. Er arbeitete dort, trotz steigender Anerkennung für sein literarisches Werk – 1933 debütierte er mit dem Erzählband Die Zimtläden – bis zu seinem Tode. 1941 richteten deutsche Truppen für die jüdische Bevölkerung ein Ghetto ein. Bruno Schulz erfuhr eine Zeit lang Protektion durch den Drohobyczer Gestapo-Chef Felix Landau, der ihn als „Hausmaler“ beschäftigte. Im November 1942 wurde er jedoch von einem mit Landau verfeindeten SS-Mann auf offener Straße erschossen.
Ein großer Teil von Schulz‘ künstlerischem Nachlass gilt als verschollen. Sein Gesamtwerk – sowohl das literarische als auch das graphische – wird gelegentlich mit dem von Kafka, Proust und Kubin verglichen und erschließt sich auf mehreren Ebenen: die Darstellung der galizischen Kleinstadt spielt darin eine genauso bedeutende Rolle wie die tiefenpsychologische Ebene der Vater-Sohn-Beziehung oder das stark masochistisch geprägte Frauenbild. Der Kreation der Traumwelten kommt hier eine gleiche Bedeutung zu wie der Erschließung der jüdischen Mystik.

Der Eintritt ist frei.
Öffnungszeiten: dienstags bis samstags, 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Vom 24. Dezember bis 1. Januar 2009 bleibt die Ausstellung geschlossen.