Mrz 252004
 
Anton Chechov

Anton Chechov

Dass die hoch gebildeten Slawisten vertraute Gestalten unserer Kulturwelt wie Tschaikowsky als Ćajkovskij oder Tschechow als Ćechov entfremden und, wie ich leidvoll erfahre, junge Menschen vom Gang in die Buchhandlung abhalten (Pisa überall), möchte ich nicht verschweigen. Schlimmer: Die Deutsche Grammophon hält es nicht für nötig, den großen Übersetzer und Entdecker für Deutschland, Peter Urban, überhaupt zu erwähnen. Dabei verdanken wir ihm die größte nichtrussische Tschechow-Ausgabe. Keine Auskunft auf der Verpackung. Keine auf einer CD. Gerade mal eine Halbzeile im Booklet. Dort wird der Sprecher, Frank Arnold, mit 27 Vollzeilen vorgestellt, Tschechow mit 17, Urban mit sieben Halbzeilen. Die Mitübersetzerin Beate Rausch ist der deutschen Grammophon keinen Buchstaben wert. So ist auch diese schöne Hörbuch-Edition ein weiteres Zeugnis für die Kulturverachtung unseres geldgierigen Landes.

Rolf Michaelis in der Frühjahrsliteraturbeilage der ZEIT, März 2004

Anton Cechov: Ein unnötiger Sieg, 7 Audio-CDs
Audio CD
Verlag: Universal Music; Auflage: 1 (2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3829113382
ISBN-13: 978-3829113380

Mrz 142004
 
Anton Cechov

Anton Cechov

das klingt kitschig, pathetisch, ist ganz schlecht, wollen wir nichts mit zu tun haben

ist aber so.

Morgens bin ich mit verkrusteten Augen aufgewacht und als ich in der Erinnerung suchte was mich zum Weinen brachte, wieder Tränen.

„In der Nacht zu Weihnachten“ von Anton Tschechow ist der Grund für meine Trauer.

Eine Frau hofft, daß ihr Mann, den sie nicht liebt, ertrunken ist, er ist es aber nicht. Als er ihren Schmerz erkennt, nun nicht endlich als Witwe ein freies Leben führen zu können, fährt er mit dem Schiff in die Winternacht, den Wintersturm, dem Tod entgegen, hinaus.

Bis zum Morgen stand die bleiche Frau am Ufer des Meeres. Als man sie, halb erfroren und entkräftet von moralischer Qual, nach Hause trug und ins Bett legte, fuhren ihre Lippen noch immer fort zu flüstern: „Komm zurück!“

In der Nacht auf Weihnachten hatte sie ihren Mann lieben gelernt.

Anton Cechov: Er und sie
Frühe Erzählungen
1880 – 1885
Übersetzt und herausgegeben von Peter Urban
Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 2., Aufl. (November 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257063210
ISBN-13: 978-3257063219
Mrz 092004
 

Der Sommer beginnt und das Leben ändert sich.

aus:

Anton Cechov

Anton Cechov

Eine langweilige Geschichte

Aus den Aufzeichnungen eines alten Mannes.
Kapitel IV, Seite 23

in:
Anton Tschechow: Das Duell
und andere Erzählungen
mit einem Essay von Thomas Mann
Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, 1958
übersetzt von Johannes von Guenther
Feb 182004
 
Anton Cechov

Anton Cechov

So langsam nehme ich wahr, daß dieses Jahr ein Cechov-Jahr werden soll, denn er starb vor 100 Jahren. Wer mich nur ein wenig kennt, glaubt mir sicher, daß ein solches Marketing-Jubiläum nicht unbedingt der Grund ist, mich intensiv mit einem Autor zu beschäftigen.

Anton Cechov

Anton Cechov

Aber wie bin ich zu dem Autor gekommen? Der Auslöser war wieder einmal ein Bändchen der Friedenauer Presse,[link2post id=“84″] Anton Cechov: Angst[/link2post], übersetzt von Peter Urban. Denn ich schätze Peter Urban sehr, auch als Charms-Übersetzer, ja er ist mehr als ein Übersetzer, das träfe zu kurz.

Und so habe ich mich in dem Bändchen festgelesen und dann kam die Leselust. Aber es ist fast eine Lebenslust, denn ich spüre schon, daß er, also Anton Cechov, mich mehr und mehr in seinen Bann zieht, daß er zu den Autoren gehören wird, die mein Leben prägten (H. Miller, L. Durrel, R. Musil, J.W. v. Goethe et al..)

Und so lese ich nun

Feb 102004
 
Anton Cechov

Anton Cechov

…Er ist in irgendeinem Bureau angestellt, bekommt ein mageres Gehalt, das kaum für den Tabak reicht; riecht ewig nach Kernseife und Karbol, hält sich für einen tollen Hecht, spricht laut, wundert sich Tag und Nacht; hat eine feuchte Aussprache. Gibt sich als Geck, blickt auf seine Eltern herab und sagt jeder jungen Dame, der er begegnet:„Sind Sie aber naiv! Lesen Sie Literatur“

noch halte ich mich an meinen Vorsatz, jeden Tag etwas Cechov…

Feb 092004
 

Markus Kolbeck faßt in seinem Leipziger Büherlei den Vorsatz, jeden Tag einmal Jean Paul zu lesen:
Rasch einen Vorsatz gefaßt: täglich mindestens 5 Seiten vom ihm lesen! Das wären in diesem Jahr – heute abgerechnet – noch 326 Tage, also 1630 Seiten Jean Paul. Ich berichte dann, wenn alles den Bach hinunter gegangen sein wird.

Anton Cechov

Anton Cechov

Eigenartig, ich habe mir heute gerade vorgenommen, jeden Tag eine Erzählung, eine Kurzgeschichte von Anton Cechov zu lesen… eine schöne Vorstellung, Jean Paul hingegen täglich, das wäre Folter für mich.

Wenn es einen Autor gibt, der mich so gar nicht anspricht und mit dem ich schlimmste Erinnerungen an eine Referendariatskollegin verbinden, die darüber auch noch doktorierte und sich nicht vorstellen konnte, ach lassen wir das, ich lese Anton Cechov.

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